Freitag, 22. Juni 2018

Die Abgeordneten des Kreistages sind genervt: Auch nach 30 Jahren Planung liegt der Bau der Südspange, der Umgehungsstraße im Süden von Kamen, noch in weiter Ferne. Ein Antrag der CDU und SPD, der den Baubeginn im Juli forderte, musste zurückgezogen werden. 

Bereits Anfang des Jahres ist der Bau der Kamener Südspange erneut verschoben worden. Die Verbindungsstraße der K40 an der Westicker Straße zu der L663 an der Dortmunder Allee wird nicht wie geplant im Spätsommer dieses Jahres umgesetzt. Die Umgehungsstraße sollte den Verkehr in der Innenstadt entlasten. Eigentlich gibt es für den Bau bald ideale Vorraussetzungen: Vom 17. Juli bis zum 18. September ist die Strecke Dortmund-Hamm acht Wochen lang wegen Sanierungsarbeiten gesperrt. Da die Umgehung die Bahnstrecke kreuzen würde, wäre das eigentlich die Gelegenheit gewesen, fanden die meisten Abgeordneten. Der Beginn der Bauarbeiten wurde jedoch weiter auf 2020 verschoben.

Enttäuschung bei den meisten Abgeordneten


Vor allem die SPD und CDU reagierten bei der gestrigen Sitzung des Kreistages mit Unverständnis. Sie hatten einen Antrag gestellt, dass die Umgehungsstraße während dieser Sperrung der Bahnstrecke gebaut wir. Dieser musste nun zurückgezogen werden. Wieso man diese Situation nicht ausnutzt, ist ihnen ein Rätsel. „Seit über 30 Jahren tragen wir das Projekt vor uns her“, regte sich Martin Wiggermann von der SPD auf. „Mit unserem Antrag war viel Hoffnung verbunden. Diese wird nun wieder ein paar Jahre nach hinten verschoben.“ Sein Kollege Peter Dörner von der CDU stimmte ihm zu: „Das Projekt ist seit 30 Jahren in Planung. Wieso nutzt man die Situation nicht?“ Anke Schneider von den Grünen ist eine der wenigen, die von der Verschiebung nicht genervt ist. „Ich bin seit 30 Jahren gegen die Spange“, erklärte sie. Sie möchte verhindern, dass direkt vor den Gärten der Anwohner eine Umgehungsstraße entsteht.

Verspätung durch Deutschen Bahn

Laut Pressesprecherin Constanze Rauert sind dem Kreis Unna in dieser Angelegenheit die Hände gebunden. Träger des Bauprojekts ist nämlich auch die Deutsche Bahn, die den Bahnübergang, über den die Umgehungsstraße gehen würde, schon lange los werden möchte. Nur, wenn die Bahn den Autotunnel hierfür baut, kann der Kreis mit der Umgehungsstraße anfangen – ansonsten stören die Schranken den fließenden Verkehr. Mit dem Bau fangen sie allerdings nicht an: Die Deutsche Bahn verschob den Baustart bereits mehrmals. „Wir hängen hinter der Bahn. Solange die sich nicht bewegen, können wir nichts machen“, erklärt Rauert.

Kommentare

ANZEIGE