Freitag, 20. April 2018

Mehr Gehalt und Übernahme von Azubis: Die Forderungen der Gewerkschaft Verdi an die Arbeitgeber von Bund und Kommunen sind klar. Weil es in dem Tarifstreit nicht voran geht, sind am Mittwoch (21. März) auch in Unna mehr als 1000 Menschen auf die Straße gegangen.

Aus dem Kofferraum eines roten Vans werden gegen kurz vor halb zehn neongelbe Westen und Fahnen an die Streikenden verteilt. Die Stimmung ist gut. „Oh, Gelb fehlt mir noch in der Sammlung“, scherzt eine Teilnehmerin des Warnstreiks und zieht sich die Weste über. Auch die roten Trillerpfeifen werden ausprobiert.


Verdi Warnstreik Unna
Mit gelben Westen und roten Fahnen demonstrierten die Teilnehmer in Unna. Foto: Florian Forth/Unna24

Gerade sind Teilnehmer aus Soest, Warstein, Lippstadt und dem Hochsauerlandkreis angereist, um für eine bessere Bezahlung auf die Straße zu gehen. Währenddessen stehen vor dem Bahnhof die Fahrgäste und warten auf die Busse, von denen heute einige nicht kommen werden. „Ein bisschen wehtun muss es schon,“ sagt Dietmar Schwalm. Er ist Personalrat der Kreisverwaltung Soest und war bereits am Dienstag beim Streik in Dortmund dabei. Da musste auch er zu Fuß zum Rathaus gehen, weil die Bahnen nicht fuhren. In Kitas und in der Pflege seien aber Notschichten eingerichtet worden.

1100 Menschen sollen an Demo teilgenommen haben

Um kurz vor zehn haben sich am Mittwoch vor der Bühne auf dem Rathausplatz bereits Hunderte Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes versammelt. Gewerkschaftssekretär Christian Berger macht den Anwesenheits-Check. Die Teilnehmer der Demo arbeiten unter anderem für Stadt- und Kreisverwaltungen, die Sparkassen oder die Entsorgungsdienste – und jubeln, wenn sie aufgerufen werden. „Im Moment gehen wir von etwa 1100 Kolleginnen und Kollegen aus“, sagt Berger. Das könne man anhand der Buslisten bereits sagen.

Rund 900 Mitarbeiter waren zum Streik zur letzten Tarifrunde 2014 nach Unna gekommen. „Wir müssen den Arbeitgebern mal wieder zeigen, wo der Hammer hängt“, ruft Gudrun Janßen. Laut der stellvertretenden Bezirksgeschäftsführerin für Hamm und Unna hätten die Arbeitgeber bereits gezeigt, was die Mitarbeiter ihnen wert seien: „Nämlich nichts!“. Anders als jetzt durfte der Demo-Zug damals jedoch nicht über den Wallring laufen. „Das ist das erste Mal“, freut sich Janßen, als der Zug auf den Nordring einbiegt. Bei der Diskussion mit der Polizei habe geholfen, dass am Vortag auch in Dortmund der Wallring gesperrt war.

Weitere Warnstreiks nicht ausgeschlossen

In Unna wird der Streik fast schon gefeiert. Vorweg laufen die jüngsten Mitarbeiter mit grünen Fahnen und machen ordentlich Alarm. Das gefällt nicht jedem Anwohner. Als der Mann am Mikro des roten Wagens erneut die Forderungen aufzählt, ruft ein Anwohner: „Wir fordern: Ruhe!“ aus dem Fenster. Die meisten Bürger nehmen den Streik gelassener hin.

Verdi Warnstreik
Verdi-Warnstreik in Unna. Foto: Florian Forth/Unna24

Auf dem dreispurigen Südring nimmt der rund 100 Meter lange und von Polizei und Verdi-Ordnern gesicherte Tross zwei Fahrspuren in Beschlag. So sorgt der Streik auch dafür, dass der Autoverkehr in der Innenstadt an einigen Stellen zum Erliegen kommt. Zurück am Rathaus wird es noch mal besonders laut, bevor sich die Streikenden mit Gulaschsuppe stärken. Janßen ist zufrieden: „Unsere Erwartungen sind übertroffen worden.“

Für die Gespräche am 15. und 16. April erwartet sie nun ein verhandlungsfähiges Angebot der Arbeitgeber. Sie ist gespannt, wie der neue Verhandlungsleiter, Innenminister Horst Seehofer (CSU), mit der Situation umgeht. „Davon wird abhängen, was wir danach noch draufpacken“, gibt sie sich kämpferisch.

Gut möglich also, dass es rund um die anstehenden Verhandlungen Mitte April weitere Warnstreiks geben wird.

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