Dienstag, 23. Januar 2018

Selbstschutz boomt. Immer mehr Menschen wollen sich verteidigen können. Die erste Wahl ist dabei eine Waffe. Doch die kann man nicht einfach so erwerben und am Gürtel wie die Polizei mit sich tragen. Als Erlaubnis dafür braucht man einen Waffenschein. 

Der Waffenschein erlaubt in Deutschland den Umgang mit Schusswaffen. Sein kleiner Bruder ist der kleine Waffenschein. Er berechtigt allerdings nur zum Führen von Gas-, Schreckschuss- oder Signalwaffen. Doch auch die sind nicht ganz ungefährlich. Trotzdem werden immer mehr kleine Waffenscheine beantragt. Auch im Kreis Unna kamen in den vergangenen Jahren viele Scheine dazu.

Besondere Ereignisse als Grund für die Anträge

Insgesamt gibt es im Kreis Unna 2705 kleine Waffenscheine. Der größte Anteil davon wurde im Jahr 2016 beantragt – über 1000 Stück. Die Pressesprecherin der Polizei Unna, Vera Howanietz, weiß eine Erklärung. Sie glaubt, dass die Kölner Silvesternacht dafür verantwortlich sein könnte. Viele Menschen gehen immerhin davon aus, durch eine Waffe besonders geschützt durch die Gegend zu laufen. Das stimmt aber nur bedingt.

Durch die Waffe kommen die Gefahren teilweise erst

„Eine Waffe bietet ja erstmal keine Sicherheit“, sagt Howanietz. Denn man muss schließlich auch mit ihr umgehen können und ihre Stärken und Schwächen kennen. Außerdem „können die Waffen bei möglichen Tätern ja auch eine ganz andere Reaktion hervorrufen“. Zum Beispiel dann, wenn die Schreckschusswaffe nicht von der echten Schusswaffe zu unterscheiden ist. Dann könnte der Täter mit einer echten Waffe kontern. Oder er überwältigt sein Opfer und bringt die Schreckschusswaffe an sich. All das ist nicht absehbar.

Das ist eine Schreckschusswaffe. Sie ist von echten Schusswaffen kaum zu unterscheiden. Foto: dpa

Im vergangenen Jahr wurden im Kreis Unna 429 kleine Waffenscheine genehmigt. Das ist weniger als die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr (2016). Es ist also durchaus denkbar, dass durch Ereignisse Waffentrends gepusht werden. Verständlich, denn Gefahr und Schutz sind unmittelbar miteinander verbunden.

Das Beantragen von Waffenscheinen ist immer mit viel Aufwand verbunden. Waffenbehörde kontaktieren, Papiere ausfüllen und Voraussetzungen erfüllen. Letztere sind sogar bei kleinen und vollwertigen Waffenscheinen identisch.

Bei diesen Voraussetzungen gibt es den kleinen Waffenschein

Die Polizei NRW nennt auf ihrer Internetseite eine Anzahl konkreter Voraussetzungen, die bei einer Beantragung des kleinen Waffenscheins erfüllt werden sollten:

  • Vollendung des 18. Lebensjahres
  • Zuverlässigkeit und persönliche Eignung zum Führen einer Waffe
  • Verwaltungsgebühr von derzeit 55 Euro

Um die persönliche Eignung testen zu können, werden umfangreiche Auskünfte aus dem Bundeszentralregister abgefragt, Infos aus dem staatsanwaltschaftlichem Verzeichnis hinzugezogen und polizeiliche Systeme auf Auffälligkeiten überprüft. Wenn alles klappt, steht dem Führen einer Waffe nichts mehr im Wege. Doch eine wichtige Voraussetzung gibt es noch: Das Führen ist nur in Kombination mit einem gültigen Personalausweis erlaubt.

Der kleine Waffenschein ist mit bürokratischem Aufwand eigentlich leicht zu bekommen. Foto: dpa

Für die reine Aufbewahrung von Gas-, Schreckschuss oder Signalwaffen in der eigenen Wohnung braucht man übrigens keinen kleinen Waffenschein. Ebenso nicht für den Transport der ungeladenen Waffe vom Waffenshop nach Hause.

Die Erlaubnis zum Führen von Waffen versteht sich dennoch nicht als Freifahrtschein für den Umgang mit ihnen. Auf der Internetseite nennt die Polizei NRW deshalb auch noch Sicherheitsmaßnahmen, die beim Führen von Waffen unbedingt beachtet werden sollten.

Auch falsche Schusswaffen können richtig gefährlich werden

Neben den bereits genannten Gefahren wie das Anstiften der Täter zum Heranziehen echter Waffen oder das Überwältigen der Opfer durch die Täter, gibt es noch weitere Sicherheitslücken. So bringen sich nicht routinierte Nutzer von Waffen oft dadurch selbst in Gefahr, dass sie die Fake-Flinten unsachgemäß nutzen. So können sie sich selbst oder Unbeteiligte in der Nähe verletzen.

Auch der Umgang mit Reizgasen will geübt sein. Wobei der teilweise gar nicht beeinflussbar ist. Denn durch Wettereinflüsse wie etwa starken Wind kann die Sprührichtung stark verändert werden und so landet das Tränengas vielleicht nicht in den Augen des Täters, sondern im eigenen Gesicht. Dazu kommt, dass die Reizgasmenge oft nicht ausreichend ist und gasige Waffen zur Verwendung in geschlossenen Räumen ohnehin nicht geeignet sind. Das gleiche gilt für Pkw.

In Bezug auf die Kölner Silvesternacht, hat die Polizei aus NRW auf ihrer Seite übrigens auch noch ein paar Infos parat. Denn an Silvester und Neujahr dürfen gar keine Gas-, Schreckschuss oder Signalwaffen abgefeuert werden. Und auch bei öffentlichen Veranstaltungen ist der Gebrauch verboten.

Bei der Kölner Silvesternacht hätte gar nicht mit Waffen gefeuert werden dürfen. Foto: dpa

Zur Verteidigung muss es nicht zwingend eine Waffe sein

Der Umgang mit Waffen will gelernt sein. Doch das ist gar nicht so einfach. Und auch der Weg zur Beantragung kann mitunter etwas dauern. Damit Selbstschützer trotzdem wissen, wie sie sich verteidigen können, nennt die Polizei NRW eine Alternative: Selbstverteidigung. Für Ungelernte bieten Polizeisportvereine entsprechende Kurse an. Außerdem haben viele Städte auch Kampfsportschulen.

Ansonsten gilt für alle Notfallsituationen, die Polizei zu kontaktieren. Ihr erreicht sie zu jeder Uhrzeit und in jedem deutschen Ort unter der 110.

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