Donnerstag, 16. August 2018

Vor dem Rathaus in Unna ist es am vergangenen Mittwoch (1. August) zu einer Schlägerei gekommen. Daran waren nach ersten Erkenntnissen der Polizei mindestens acht Personen beteiligt. Der Vorfall erregt in den Medien großes Aufsehen, weil die Polizei die Prügelei erst auf Nachfrage des Hellweger Anzeigers bestätigte.

Die Unnaer Polizei teilt mit, dass es am Mittwoch (1. August) auf dem Rathausplatz in Unna zu einer Schlägerei zwischen zwei Gruppen gekommen ist. Gegen 21.30 Uhr wurden die Beamten hinzugerufen. Sie fanden acht Personen vor: drei Afghanen, zwei Syrer, je ein Iraker, Iraner und eine Person mit bislang ungeklärter Staatsangehörigkeit. Alle Beteiligten sind um die 20 Jahre alt.


Insgesamt waren aber wohl zeitweise elf Personen an der Schlägerei beteiligt, wie ein Handyvideo beweist, dass der Polizei vorliegt. Ein Zeuge sagte gegenüber Unna24, dass die Personen auch mit Gürteln oder ähnlichem aufeinander eingeschlagen hätten.

Polizei macht die Schlägerei nicht öffentlich

Laut Polizei wiesen zwei Personen aus der einen und drei Personen aus der anderen Gruppe leichte Verletzungen auf. Zeugen sagten außerdem aus, dass mehrere Personen die Örtlichkeit vor Eintreffen der Polizei verlassen hätten. Festgenommen wurde niemand, die Polizei sprach aber Platzverweise aus, die wohl auch befolgt wurden. Außerdem wurden Anzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung geschrieben.

Dieser Vorfall wurde nicht von der Polizei publik gemacht, sondern vom Hellweger Anzeiger, der am Freitagabend einen Artikel darüber veröffentlichte. Die Polizei-Pressestelle dazu: „Der Sachverhalt hat sich für uns nicht so gravierend dargestellt.“ In den Pressemitteilungen der Polizei würde nicht eins zu eins das abgebildet werden, was bei der Polizei aufläuft.

Zeugen schildern anderen Tathergang als Polizei

Im Nachgang der Meldung durch den Hellweger Anzeiger und Rundblick Unna meldeten sich verschiedene Menschen, die am fraglichen Abend wohl ebenfalls Zeugen des Geschehens gewesen sind. Diese sprachen plötzlich von kriegsähnlichen Zuständen und Schwerverletzten.

Auch sprechen die Zeugen nicht von 11 Beteiligten, sondern von mindestens 50 bis 70 Menschen. „Das sah vor Ort zum Tatzeitpunkt offenbar niemand so und auch bei der Leitstelle hat am vergangenen Mittwoch niemand eine solche ‚blutige Schlacht‘ gemeldet“, so eine Polizeipressesprecherin. Und auch der Zeuge, mit dem Unna24 gesprochen hat, bestätigt diese Masse an Menschen nicht.

Polizei von Mediencho überrascht

Die Polizei behandelt den Fall wie jede andere Schlägerei auch, zeigt sich aber überrascht über die Zeugen, die sich jetzt bei den Medien gemeldet haben, am Tatabend aber nicht bei der Polizei vorgesprochen haben. In den Aufzeichnungen der Polizei findet sich darüber hinaus keine Aussage über eine Massenschlägerei zwischen 50 oder mehr Menschen. Und auch im Nachgang gab es keine Meldungen von Zeugen. Außerdem liegt der Polizei wohl Bildmaterial vor, das die Aussagen der Zeugen der Nachrichtenkanäle nicht unterstützt.

Das alles wird aber wohl abschließend erst vor Gericht geklärt werden, wie die Polizeisprecherin sagt.

 

Kommentar von Bianca Hoffmann

Wenn auf dem Rathausplatz eine Schlägerei stattfindet, darf die Polizei nicht so tun, als sei das für die Öffentlichkeit nicht interessant. Aber: jeder macht Fehler und jeder schätzt mal Situationen falsch ein. Was mich daran irritiert, ist das Beharren der Polizeipressestelle auf ihrer Position. Wer täglich Polizeimeldungen wie „Wohnungseinbruch – Fernseher entwendet“ (8. August) oder „Diebstahl an Pkw – alle vier Räder entwendet“ (3. August) verschickt, sollte auch über Schlägereien größeren Ausmaßes berichten.

Sonst entsteht beim Bürger schnell der Eindruck, die Behörden würden ihm etwas „verschweigen“. So irrational dieser Gedanke auch sein mag, im aktuellen Fall ist er durchaus zulässig. Und das spielt rechtskonservativen Parteien und Organisationen in die Hände. Für deren Nachrichtenmedien ist der Vorfall in Unna nämlich ein gefundenes Fressen.

Um Hetzern den Wind aus den Segeln zu nehmen, wäre eine Stellungnahme der Polizei – wenn auch verspätet – noch immer besser gewesen. Denn nur dann können etablierte Medien auch sachlich berichten und einordnen.

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