Donnerstag, 16. August 2018

In Unna werden nicht nur Spielplätze geschlossen, es werden auch neue gebaut. Einer davon öffnet wahrscheinlich im kommenden Frühjahr. Von den meisten Menschen wird er allerdings nicht als Spielplatz erkannt werden.

Unna bekommt seinen ersten Naturspielplatz. Das ist eine große naturbelassene Fläche, auf der Kinder nach Herzenslust durchs Unterholz toben, auf Bäume klettern und sich in Büschen verstecken können. Dafür verantwortlich ist die Agentur Stadtkinder aus Dortmund in Kooperation mit der Stadt und dem Quartiermanagement Königsborn-Süd.


Nur um eins klar zu stellen. Zu dem, was dort in Königsborn nahe der S-Bahn-Station entsteht, wurde früher wohl einfach „im Wald spielen“ gesagt. Der Unterschied ist, dass das Gelände jetzt einmal auf seine Sicherheit geprüft wird und dort Trampelpfade entstehen. Schaukel, Rutsche oder Wippe? Fehlanzeige.

Kinder haben Angst vor Brennnessel, Biene und Co.

„Wir merken, dass die Stadtkinder so von der Natur entfremdet sind, dass sie tagsüber fast nur noch vor ihren Computern sitzen und gar keinen Zugang mehr haben“, sagt Peter Apel von der Agentur Stadtkinder. Seine Agentur hat beobachtet, dass Kinder sogar Angst vor der Natur hätten. Egal ob Brennnessel, Schmetterling oder Biene – alles erscheint bedrohlich.

Die neu entstandene Fläche in Königsborn soll deshalb auch nicht einmal angelegt werden und dann so bleiben wie sie ist. Vielmehr sollen hier Naturschutzverbände und Schulen gemeinsam mit dem Stadtteilbüro pädagogische Aktionen durchführen. Wie gut das funktionieren kann, hat eine Besichtigung der Fläche mit einer Grundschulklasse gezeigt.

Erster Test auf späterem Naturspielplatz gelungen

„Die Kinder kannten die Fläche gar nicht und dann habe ich sie gar nicht mehr von den Bäumen runterbekommen“, sagt Apel. Und so soll auch der Startschuss für den neuen Naturspielplatz gemeinsam mit den Kindern aus Königsborn fallen. Im Frühjahr, wenn das Gehölz zurückgeschnitten wird, sollen sie mithelfen.

Damit dann auch alles ordentlich bleibt, bekommt der Betriebshof der Stadt genaue Instruktionen. Es soll und darf nämlich auch mal eine Brennnessel stehen bleiben. „Die Kinder sollen auch mal mit zerrissenen Hosen oder aufgeschlagenen Knien nach Hause kommen – das ist doch super“, so Apel.

Hinfallen erwünscht

Richtig hohe Bäume gibt es auf der Fläche nicht und sollten die Kinder mal herunterfallen, fängt sie der weiche Waldboden auf. So die Theorie. In der Praxis ist die Fläche aber wie jeder Spielplatz versicherungsseitig abgedeckt.

Eltern sind auf dem Naturspielplatz übrigens auch erlaubt. Für sie wird es „naturnahe“ Sitzgelegenheiten am Eingang der Fläche geben. Höchstwahrscheinlich sind das Baumstämme.

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