Donnerstag, 19. Juli 2018

Wie wäre es, wenn man an einem warmen Sommerabend im Unnaer Kneipenviertel sein Feierabendbier an einem Platz an der Stadtmauer genießen könnte? Die Stadtverwaltung hat dafür nun einen Plan. Anstatt die Kortelbachbaustelle wieder zu der alten Kreuzung herzurichten, soll dort ein neuer Platz entstehen. 

Bald ist sie weg, die Kanalbaustelle vor dem Morgentor. Die Mitarbeiter der Kreisstadtbetriebe werden bis Ende Juni mit den Arbeiten auf der Morgenstraße fertig sein. Komplett wiederhergestellt wird die alte Kreuzung der Morgenstraße, Lüningstraße und dem Güldernen Trog allerdings nicht. Sie soll nur vorübergehend wieder aufgebaut werden. Ab 2019 entsteht an dem Morgentor nämlich ein neuer Platz, den Autofahrer und Fußgänger gleichermaßen nutzen können. Aber wie soll das funktionieren?

„Shared Space“: Der Plan einer Gemeinschaftsstraße


Das Prinzip, das dahinter steht, nennt sich „Shared Space“, oder auf deutsch: „Geteilter Ort“. Dieses neue Prinzip setzt vor allem auf eines: gegenseitige Rücksichtsnahme. Ohne funktioniert es nicht. Fahrbahnen und Gehwege sind bei solchen Gemeinschaftsstraßen  – oder in diesem Fall bei einem Gemeinschaftsplatz – nämlich nicht länger baulich getrennt. Sie werden gleichzeitig von langsam fahrenden Autos als auch von Fußgängern genutzt. Genau das soll nun auch am Morgentor passieren. Autos, Fahrradfahrer und Fußgänger teilen sich bald das Betonsteinpflaster am Ostring.

Vorentwurfplan der Stadt Unna: So könnte der neue Platz am Morgentor aussehen. Bild: Stadt Unna /Screenshot von Unna24

Natürlich muss ein solcher „Shared Space“ von allen Verkehrsteilnehmern verantwortungsvoll genutzt werden. „Es gilt das Vorrecht des Schwächeren“, betont Oliver Böer, Pressesprecher der Stadt Unna. Eine Gefahrenzone für Unfälle sieht er bei einem solchen Platz nicht. „Wenn wir den Platz als nächsten Unfallschwerpunkt sehen würden, dann würden wir das nicht bauen.“ Er fügt hinzu, das in gewisser Weise auch der Rathausplatz ein „Shared Space“ ist. Auch hier fahren Busse durch. Falls es an dem neuen Platz jedoch zu Problemen kommt, werde die Stadt nachjustieren, versprach Böer. Der Verkehr solle aber sowieso durch eine Durchfahrt über den neu gebauten Parkplatz entlastet werden.

Neuer Platz soll für Biergärten genutzt werden

Eines steht für die Stadt fest: Mit dem neuen Platz soll auch neue Fläche für Tische und Stühle der Kneipen geschaffen werden. Der „Morgentor“ möchte nun auf dem neuen Platz einen Biergarten neu anlegen. Dies soll sogar schon übergangsweise vor dem Baubeginn 2019 erfolgen. „Ollen Kotten“ dagegen behält seinen Biergarten so bei, wie er gerade ist. In dem Sinne: Prost! Jetzt fehlen nur noch die warmen Sommernächte.

Keine Frage, die historischen Gebäude machen das Flair von Unna aus. Deswegen könnt ihr euch auf eine weitere Erneuerung freuen: Die alte Stadtmauer wird rekonstruiert. Momentan ist die Mauer an dem zukünftigen Platz ja noch für 100 Meter unterbrochen, aber das ändert sich bald. In einer Höhe von 1,30 bis 1,70 Meter soll sie wieder aufgebaut werden und so die Atmosphäre des Platzes vor dem Verkehr am Ostring schützen. Für Zugänge und Durchfahrten wird sie natürlich wieder unterbrochen.

Eine Sache wird allerdings nicht wieder komplett aufgebaut: der Parkplatz. Bevor die Bauarbeiten an der Kreuzung begannen, gab es dort 20 Plätze. Davon sind durch die Bauarbeiten momentan sind nur elf nutzbar. Zukünftig sollen dort nur noch 10 Autos dort Platz finden. Alternativen zu dem Parkplatz, so Böer, stellen beispielsweise die Tiefgarage und der Parkplatz an der Sparkasse dar. Wer Lust hat, kann natürlich auch das Stadtradeln verlängern – Fahrräder sind in der Innenstadt ja bekanntlich deutlich leichter zu parken als Autos.

Bauarbeiten starten 2019

Um den Platz vernünftig herrichten zu können, muss erst die Reparatur Burgstraße beginnen. Diese Sanierung ist, unabhängig von den neuen Platz-Plänen, für 2019 angesetzt. Der neue Platz am Morgentor und die Burgstraße werden deshalb zeitgleich gebaut. Bewohner müssen sich an den Kosten hierfür beteiligen.

Bevor der neue Platz hergerichtet werden kann, muss die Burgstraße saniert werden. Bild: Stadt Unna / Screenshot von Unna24

490.000 Euro kosten die Arbeiten an der Burgstraße, 310.000 übernimmt die Stadt. Wenn man die Kosten für den neuen Platz dazu rechnet, ergibt das 762.000 Euro. Davon kommen 125.000 Euro auf Anlieger zu. „Man kann aber nicht sagen, dass Anwohner oben an der Burgstraße sich am Platz beteiligen müssen“, betont Böer an dieser Stelle. 260.000 Euro, hofft die Stadt, werden als Fördermittel zur Verfügung gestellt. Mehrer Bewohner boten laut der Stadtverwaltung außerdem an, zusätzliche freiwillige Beiträge zu zahlen.

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