Donnerstag, 19. Juli 2018

Nordrhein-Westfalen kehrt wieder zu G9 zurück, das Turbo-Abi ist abgeschafft. Das bedeutet wieder viel Arbeit für die Gymnasien. Aber auch Chancen, wie Ulrich Schmitz, Schulleiter des Ernst-Barlach-Gymnasiums in Unna, sagt. Er freut sich zum Beispiel auf das neue Fach Digitalisierung.

Nach 14 Jahren wird in Nordrhein-Westfalen bald wieder Schluss sein mit G8. Der Landtag hat am Mittwoch die Rückkehr zu G9 beschlossen. Sie startet im Herbst 2019 mit den Fünft- und Sechstklässlern. Die sind derzeit in der dritten und vierten Klasse. Alle Schüler, die zurzeit schon aufs Gymnasium gehen, bleiben beim Turbo-Abi.


Mit der Umstellung stehen die Schulen vor Herausforderungen. „Ich sehe viel Arbeit auf die Kollegen zukommen“, sagt Ulrich Schmitz, Schulleiter des Ernst-Barlach-Gymnasiums in Unna. Auch der Raumbedarf werde mit neun Stufen größer.

Neue Stundentafeln bieten Chancen

„Schwierigkeiten bei der Rückkehr zu G9 sehe ich aber generell nicht“, sagt der Unnaer Rektor. Er freut sich vielmehr auf neue Chancen. „Wir warten neugierig auf die neuen Stundentafeln“, meint Schmitz. Zum Beispiel sollen Digitalisierung und ökonomische Bildung – angegliedert an Politik und Wirtschaft – mehr Raum bekommen. Der Schulleiter aus Unna freut sich, dass durch das neue Fach Digitalisierung der Informatikunterricht ausgebaut wird. Den gebe es an seinem Gymnasium derzeit nur in Stufe 5 und 6.

Theoretisch gibt es im Gesetz Ausnahmen von G9. Die Gymnasien können sich bis Ende 2018 dafür entscheiden, bei G8 zu bleiben. Tun sie das nicht, führen sie automatisch wieder das neunjährige Modell ein. So wird es wohl bei der großen Mehrheit sein. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) rechnet mit weniger als zehn Prozent der Gymnasien, die sich gegen G9 entscheiden.

EBG voraussichtlich für G9

Auch das Ernst-Barlach-Gymnasium (EBG) wird laut seinem Schulleiter Schmitz voraussichtlich zu G9 zurückkehren. „In der letzten Schulkonferenz haben wir ein Meinungsbild erstellt. Es war ganz eindeutig für G9“, sagt Schmitz. Er rechnet damit, dass sich das auf der nächsten Schulkonferenz im Herbst bestätigt.

Neben der G8-Ausnahmeregelung für die gesamte Schule verspricht das Gesetz noch die „Ermöglichung der individuellen Verkürzung des neuen neunjährigen Bildungsgangs am Gymnasium auch in Gruppen.“ Zum Beispiel die Bischöfliche Canisiusschule Ahaus kann sich laut ihrem Schulleiter Niels Hakenes vorstellen, in den kommenden Jahren Konzepte für solche flexiblen Lösungen zu entwickeln. „Die sind für leistungsstarke Schüler, die schneller ihren Abschluss machen wollen und bei denen das pädagogisch sinnvoll ist“, sagt Hakenes.

Schulleiter konnten sich zweimal nicht durchsetzen

Laut Detlef von Elsenau, Schulleiter des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Dortmund, werden voraussichtlich alle Dortmunder Gymnasien zu G9 zurückkehren. Er findet jedoch die ständigen Umstellungen im Schulsystem nicht gut. „Zuerst haben wir bei der Einführung des Turbo-Abis als Schulleiter generell versucht, das G8 zu verhindern“, sagt er. Sie hätten sich jedoch nicht durchsetzen können.

Bei der Einführung von G8 hatten die Gymnasien laut von Elsenau dann mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Zum Beispiel mit neuen Lehrplänen, die beim G8 kompetenzorientiert angelegt sind. „Inzwischen haben wir endlich das Gefühl, die Probleme im Griff zu haben“, sagt der Rektor. „Deswegen haben die meisten Schulleiter gesagt, jetzt bleiben wir auch bei G8.“ Doch auf die Schulleiter hat die Politik ein zweites Mal nicht gehört.

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