Donnerstag, 16. August 2018

Unna ist ein großer Kreis, in dem die Lebensverhältnisse offenbar sehr unterschiedlich sind. Königsborn steht dabei in Sachen Armut als der große Verlierer da. In Massen und vor allem den Landgemeinden haben es die Menschen scheinbar besser.

Der Bericht „Integrierte Berichterstattung der Kreisstadt Unna“ liefert viele Zahlen, die die Lebenssituation der Menschen in der Stadt abbilden sollen. „Die Ergebnisse […] machen deutlich, dass sich die Stadtteile und die dahinter liegenden Sozialräume unserer Stadt nicht homogen entwickeln, sondern heterogene Profile aufweisen“, schreibt Uwe Kutter, Beigeordneter der Kreisstadt Unna, in seinem Vorwort.


Das belegen zum Beispiel die Daten zu Hartz IV und anderen Mindestsicherungen. Verkürzt könnte man die Ergebnisse so zusammenfassen: Viel Hartz IV in Königsborn, wenig in den Landgemeinden (Billmerich, Kessebüren, Mühlhausen-Uelzen, Lünern, Hemmerde) und Massen, in der Mitte liegen Unna-Süd und Unna-Mitte.

Karte Unna Hartz IV Unterschiede
So teilt der Bericht die Stadt Unna auf. Foto: Stabstelle Kommunale Sozialplanung und Statistik

Königsborn: Mehr als jedes vierte Kind in Hartz IV

Der Anteil von Hartz IV-Empfängern (unter 65 Jahren) liegt laut dem Bericht in Königsborn bei 15,5 Prozent. In den Landgemeinden sind es nur 2,9 Prozent, in Massen 7,0 Prozent, in Unna-Süd 9,7 Prozent und in Unna-Mitte 12,2 Prozent. Im gesamten Stadtgebiet von Unna sind es im Durchschnitt 10,1 Prozent.

Besonders stark betrifft so eine hohe Quote wie in Königsborn auch die Kinder. Der Anteil der Kinder unter 15 Jahren in Hartz IV beträgt in Königsborn 26,3 Prozent. Das ist mehr als jedes vierte Kind, das in offenbar ärmlichen Verhältnissen aufwächst. In Unna-Mitte liegt dieser Anteil bei 19,1 Prozent, in Unna-Süd bei 16,7 Prozent, in Massen bei 11,4 Prozent und in den Landgemeinden bei 4,0 Prozent.

Besonders schlimm ist, dass sich diese Verhältnisse laut dem Bericht seit Jahren verfestigt haben. Die Kinder-Hartz IV-Quote ist beispielsweise in Königsborn seit 2008 (27,2 Prozent) bis 2016 nur um 1,1 Prozent gesunken. In den Stadtteilen mit den höchsten Quoten (Königsborn und Unna-Mitte) leben gleichzeitig die meisten Kinder. Sie machen fast die Hälfte (47 Prozent) aller Kinder in der Kreisstadt Unna aus.

Besserung kommt langsam

Wenn man ganz Unna betrachtet, geht die Zahl der Menschen mit Hartz IV zumindest langsam zurück – seit 2011 um 5,6 Prozent. Der Anteil aller Empfänger von Mindestsicherung, zu der unter anderem Hartz IV, Erwerbsminderung und Leistungen für Asylbewerber gehören, liegt seit 2012 unter dem NRW-Durchschnitt. 2015 waren es 10,4 Prozent in Unna und 12,0 Prozent in gesamt NRW. Der Kreis Unna liegt jedoch darüber mit 12,1 Prozent.

Damit die Stadt Unna bald noch besser abschneidet, verweisen die Verfasser in ihrem Bericht auf einige Maßnahmen. Vor allem wollen sie die Unterschiede innerhalb der Stadt abbauen. Dafür soll vor allem in Königsborn einiges passieren. Auch die zusätzlichen Fördermittel des Programms „Plus Kita“ für benachteiligte Kinder und Familien will die Stadt nach den neuen Erkenntnissen „gezielt an den Ort des tatsächlichen Bedarfs in Kindertageseinrichtungen“ weiterleiten.

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