Donnerstag, 19. Juli 2018

Schon seit einigen Jahren verzichtet Unna freiwillig auf Glyphosat und andere Pestizide. Eine gute Sache. Doch die Grünen wollen den Verzicht der Unkrautvernichter nun auch politisch verankern und die Stadt gleichzeitig für eine Auszeichnung beim BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) bewerben. 

Die Diskussion um das in der Landwirtschaft eingesetzte Glyphosat reißt auch im Jahr 2018 nicht ab. Die einen wollen es verbieten, die anderen wollen es weiter nutzen. Schon insgesamt 210 Städte in Deutschland verzichten freiwillig auf den hochgiftigen Unkrautvernichter. Auch Dortmund. Unna will nun ebenfalls offiziell eine pestizidfreie Kommune werden und dies beim BUND eintragen lassen.

Aber Moment mal…


Unna nutzt doch gar keine Pestizide mehr, oder? Björn Merkord von den Grünen klärt auf: „Stimmt. Seit einigen Jahren nutzt Unna keine Pestizide mehr. Es wäre aber ein weiteres Zeichen, wenn es hier eine formale Festschreibung geben würde. Dann könnten wir uns beim BUND als sogenannte – pestizidfreie Kommune – eintragen.“

Der Antrag, den die Grünen am 7. Dezember gestellt haben und der am 24. April im Ausschuss für Umweltangelegenheiten diskutiert wird, unterstreicht noch einmal die Forderungen. Neben dem kompletten Verzicht von Glyphosat und anderen chemischen Unkrautvernichtern, geht es den Grünen auch um das Anliegen von bienen- und insektenfreundlichen Blühflächen.

1. Auf allen kommunalen Flächen (Kulturland sowie Nichtkulturland) sollen keine chemisch-synthetischen Pestizide (Pflanzenschutzmittel) eingesetzt werden.

2. Private Dienstleistungsunternehmen, die im Auftrag zur Pflege öffentlicher Flächen erhalten, sollen zum Pestizidverzicht verpflichtet werden.

3. Initiierung von bienen- und insektenfreundlichen Blühflächen.

4. Bei Verpachtung kommunaler Flächen für eine landwirtschaftliche Nutzung soll ein Verbot des Einsatzes von Pestiziden im Pachtvertrag verankert werden.

5. Private Firmen mit kommunaler Mehrheitsbeteiligung werden zur pestizidfreien Bewirtschaftung aufgefordert.

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Was bringt die BUND-Auszeichnung „pestizidfreie Kommune?

Es ist eine Auszeichnung, eine Art Zertifikat, mit der Unna seine Außendarstellung verbessert. Es bringt aber auch für das Zusammenleben in Unna Vorteile. Eine positive Wirkung wäre das Zertifikat für junge Familien, die erwägen nach Unna zu ziehen. „Eine pestizidfreie Kommune ist heute einfach attraktiv“, sagt Merkord.

Ohne Pestizide werden Insekten, Singvögel und andere Tiere geschützt. Mehr Blühwiesen bedeuten gleichzeitig eine Aufwertung der Stadt für die Einwohner sowie Touristen und Besucher. Der Verzicht von Pestiziden auf Sport- und Spielplätzen sowie Grünwiesen ist für Mensch und Tier gesünder. „Sowohl für das Thema Naturschutz als auch für die Entwicklung der Stadt ist der Antrag positiv und wir hoffen auf Zustimmung“, sagt Merkord.

Die Gärten des Grauens

Es gibt aber noch Probleme auf dem Weg zu einer komplett pestizidfreien Stadt. Das liegt vor allen Dingen an Privatpersonen, die Pestizide über das Internet bestellen, und an den sogenannten Steingärten. „Wir nennen solche Steingärten „Gärten des Grauens“. Null Natur und das Kraut kann nur mit Pestiziden bekämpft werden“, sagt Merkord.

Unna kann zwar dafür sorgen, dass die Vorschläge der Grünen befolgt werden. Aber auch nach einer möglichen Zustimmung des Antrags, dürfen Privatpersonen weiterhin die hochgiftigen Pestizide verwenden.

„Dennoch wäre die Auszeichnung vom BUND ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, um die Bewohner für das Thema weiter zu sensibilisieren“, sagt Merkord.

Die Nachbarn machen es vor

Unna wäre übrigens nicht die erste Stadt im Kreis Unna, die sich als „pestizidfreie Kommune“ bezeichnen dürfte. Die Stadt Bergkamen setzt seit 2016 weder Glyphosat noch andere Pestizide ein. Am 20. März 2018 wurde Bergkamen offiziell auf die Landkarte der pestizidfreien Kommunen aufgenommen. Auch Waltrop, Dortmund und Iserlohn verzichten auf Pestizide und gehören zu den aktuell 210 (Stand April 2018) Städten auf dieser Landkarte. „Sobald der Antrag diskutiert und dann hoffentlich angenommen wird, werden wir uns beim BUND melden“, sagt Merkord.

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