Freitag, 20. April 2018

Zurzeit vergeht fast kein Tag, an dem der Hellweger Anzeiger nicht über Briefe berichtet, die in Unna verschwunden sein sollen. Inzwischen beschäftigt sich sogar die Staatsanwaltschaft mit den Fällen. 

Los ging es am 29. Dezember. Die Zeitung vermeldete, dass wohl Einladungsbriefe einer Leserin verlorengegangen sind. Daraufhin meldeten sich andere Leser und gaben an, dass ihnen etwas Ähnliches passiert sei. Sie schilderten der Zeitung außerdem von ihren Kontakten mit der Hotline der Post. Anfang Januar schaltete sich dann sogar die Staatsanwaltschaft ein. Die könnte wegen Diebstahl ermitteln.


Bei der Unnaer Polizei trudelten in den vergangenen Tagen vier Anzeigen ein, außerdem erreichten die Beamten wohl zahlreiche Hinweise. Allerdings würden sich inzwischen auch Menschen melden, denen vor acht Jahren mal ein Brief abhanden gekommen sei, sagt eine Polizeisprecherin gegenüber Unna24. Der Post wurden ebenfalls Hinweise auf nicht angekommene Briefe geliefert. Allerdings nicht in kritischer Anzahl, wie ein Sprecher der Post sagt. „Das ist kein Massenproblem“, so Rainer Ernzer, Pressesprecher der Deutschen Post.

Gründe für das Verschwinden von Briefen können vielfältig sein

Die Anzeigen und Hinweise werden jetzt gesammelt und dann direkt der Staatsanwaltschaft übermittelt. Das Problem ist, dass einfache Briefe keiner Nachverfolgungspflicht unterliegen.

Rainer Ernzer, Pressesprecher der Deutschen Post, nennt die folgenden möglichen Gründe für das Abhandenkommen der Briefe:

  • Diebstahl durch einen Postangestellten
  • Diebstahl direkt aus dem gelben Post-Briefkasten
  • Diebstahl aus dem heimischen Briefkasten
  • Falsche Adressierung
  • Fehlende Frankierung

Jeder verlorengegangene Brief ist einer zu viel

Das Unternehmen handelt nach eigenen Angaben unter dem Motto: Jeder verlorengegangene Brief ist einer zu viel. Um die erste Möglichkeit auszuschließen, nämlich einen stehlenden Postangestellten, werde seit Bekanntwerden der Vorwürfe im Zustellstützpunkt Unna sowie im Briefverteilzentrum Werl verstärkt Security eingesetzt. Denen sei bislang aber nichts aufgefallen. „Wir beobachten das aber weiter“, sagt Rainer Ernzer.

Für den Diebstahl aus Briefkästen liegen derzeit keinerlei Hinweise vor. Wenn die Briefe falsch adressiert sind oder nicht ausreichend frankiert, gehen sie entweder direkt zurück um Empfänger oder aber sie landen in Marburg. Hier betreibt die Post eine Auffangstation für verlorene Briefe. Hier liegen tausende und warten darauf, beim Empfänger oder Absender anzukommen. „Wer seinen Brief vermisst, kann sich dann bei uns melden und wir schauen dort nach“, so Erzner. Allerdings würde diese Option sehr selten in Anspruch genommen und die Briefe bleiben somit „verschwunden“.

Übrigens werden in ganz Deutschland circa 59 Millionen Sendungen am Tag verarbeitet. Etwa 30.000 bis 35.000 davon jeden Tag in Unna. Eine Angabe, wie viele davon verschwinden, gibt es nicht. Die Quote läge aber nach Schätzungen des Post-Sprechers wohl im Promill-Bereich.

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