Donnerstag, 16. August 2018

Karneval findet unsere Autorin eigentlich super. Aber kann Unna mit den Karnevalshochburgen mithalten? Oder ist es eher wie in Dortmund und die tollen Tage werden „wegignoriert“? 

Wummernde Bässe wabern über die Wasserstraße. Schlager im Viervierteltakt, dazwischen ruft der DJ: „Wem ist denn noch kalt?“ Gäste des Zeltes auf dem Alten Markt lassen erahnen – allen ist kalt. Mir schwant böses. Gut, dass mein „Minions“-Kostüm eine Mütze hat!


Dass Unna keine Karnevalshochburg ist, merke ich an den Blicken der Menschen, die mir entgegenkommen. Verwundert schauen sie auf meine gelbe Leggings und meine Mütze mit den schwarzen Pfeifenreinigern, die die Haare darstellen sollen. Ganz vereinzelt kommen mir aber auch verkleidete Frauen entgegen.

Atemlos durch Unna

Das Festzelt ist ganz in der Nähe des Extrablatts aufgebaut. Drinnen sitzen die Gäste bei Burger und Bier und vor der Tür singt Helene Fischer schon um 18 Uhr, dass sie atemlos ist. Ich mag Karneval. In meiner Heimatstadt Arnsberg wird das volle Programm geboten. Prunksitzung, Kneipenkarneval, Umzug. Quasi wie Schützenfest, nur mit anderer Verkleidung.

In Unna wird Karneval nur an Weiberfastnacht. Diese Feier lassen sich diese drei Damen natürlich nicht entgehen.  Foto: Bianca Hoffmann/Unna24

Ich ignoriere also die Extrablatt-Gäste und trete ins Zelt. Fabienne Jacobsen, Betriebsleiterin des Extrablatts, begrüßt mich am Eingang. Viel ist noch nicht los. Das werde aber noch, versichert mir Jacobsen. Also erst einmal ran an die Bar. Dahinter stehen die einzigen Männer, die gerade im Zelt erlaubt sind und schenken Getränke aus. Ich entscheide mich, anders als viele der Katzen, Piratinnen und Bärchen gegen einen Cocktail und bestelle mir ein Bier.

Polonaise, Rudern und Sirtaki machen Spaß und halten warm

Ich komme mit einer Gruppe von Frauen ins Gespräch. Für meine sauerländischen Wurzeln ernte ich – wie so häufig – mitleidige Blicke. Wenn die wüssten! Die Frauen haben alle ein ähnliches Kostüm an. Es soll an den Film „Mad Max“ erinnern. Eigentlich basteln sie immer selbst ihre Kostüme, verrät mir die blonde Asti. Die 22-Jährige kommt schon seit vielen Jahren nach Unna zum Weiberfastnacht feiern.

Es sei immer toll, verrät sie mir und schlürft ihren Cocktail. Dann bildet sich plötzlich eine Polonaise durch das Zelt. Warum nicht, denke ich, und schließe mich an. „Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse, denn nun geht sie vor unsre‘ Polonaise.“ Ich singe laut mit, gehört ja schließlich dazu. Die Frauen um mich herum haben sichtlich Spaß und langsam wird es auch wärmer im Zelt.

Von der Polonaise wechseln wir zum Sirtaki und von da aus direkt auf den Boden zum „Rudern“. Das kenn ich – gibt’s auf dem Schützenfest auch immer. Wir rudern Vor, Zurück, Vor, Zurück und am Ende des Liedes habe ich einen Krampf in den Oberschenkeln aber ein dickes Lächeln im Gesicht.

Stimmungsflaute im Schalander

Ich habe mir allerdings sagen lassen, dass es auch im Schalander gut sein soll zu Karneval. Also hole ich meine Jacke und laufe los. Es ist jetzt 19 Uhr. Die Massener Straße liegt verlassen vor meinen Füßen. Ich begegne wieder keinen verkleideten Menschen, sondern werde eher seltsam angeschaut.

Im Schalander angekommen treffe ich zwar jede Menge Matrosen, Krümelmonster und Frösche – das Publikum hier ist allerdings deutlich älter als im Zelt auf dem Alten Markt. Höchstwahrscheinlich bin ich zu einem schlechten Zeitpunkt gekommen, aber lustige Stimmung herrscht hier nicht.

Unna feiert Karneval, aber überschaubar

Ich weiß, dass auch in der Neuen Schmiede heftig gefeiert werden soll. Die Kälte schleicht in mein Gesicht, meine Finger schmerzen. Ich verzichte auf den Fußweg zur Schmiede und gehe wieder ins Zelt. Hier ist es inzwischen warm, die Stimmung ist gut und der DJ schickt mir den Bass durch den Körper.

Von Asti habe ich inzwischen erfahren, dass in Unna Karneval nur an Weiberfastnacht gefeiert wird. Und ich kann aus meiner Erfahrung hinzufügen: Und das in einem sehr überschaubaren Rahmen. Da, wo etwas angeboten wird, geben sich die Unnaer aber dann auch voll dem Karneval hin. Verkleidet und feierwütig. Das gefällt mir! Allerdings werde ich mich nächstes Jahr wohl wieder in meiner Heimat in den Karneval schmeißen. Oder vielleicht sogar was wagen und nach Köln oder Düsseldorf?

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