Mittwoch, 12. Dezember 2018

Die Bezirksregierung Münster genehmigt längere Betriebszeiten am Airport in Dortmund. Jetzt ist es für Flugzeuge möglich, auch zwischen 22 Uhr und 23.30 Uhr in Wickede mit Einschränkungen zu landen. Was bedeutet das für Flughafen, Passagiere und Anwohner?

Update, 28. September: Die Stadt Unna hat beim Oberverwaltungsgericht Münster Klage gegen den Beschluss der Bezirksregierung Münster
eingereicht. So teilte es das Rathaus am Mittwoch (26. September) mit.

Update, 27. August: Während die Flughafenleitung und die IHK noch längere Start- und Landezeiten befürwortet hätte, sehen das die Dortmunder Lokalpolitiker der Fraktion aus Linke und Piraten gänzlich anders. Sie finden, mit der Entscheidung der Bezirksregierung sei „die Schwelle zum Nachtflug überschritten“. Das schreiben sie auf ihrer Fraktionsseite.

Linke und Piraten erwägen Klage

„Stößt man dieses Tor auf, so weiß man nie, wo das noch enden könnte“, kommentiert Fraktionsvorsitzender Utz Kowalewski die zusätzlichen Landungen nach 22 Uhr. Deshalb beraten sie nun mit einem Kläger und der Anwältin für Luftfahrtrecht Franziska Heß über eine Klage gegen diese Genehmigung.

Dass die Bezirksregierung die Betriebszeiten des Flughafens nicht bis 23 Uhr verlängert habe, sei eine „Schlappe“ für den Flughafen, so Kowalewski. Bereits vor einigen Jahren habe die Fraktion aus Linke und Piraten zusammen mit einem Verein und der Stadt Unna so eine Nachtflugerlaubnis kippen können.

Flughafenleitung nicht ganz zufrieden

Airport-Geschäftsführer Udo Mager begrüßt die Entscheidung. Ganz zufrieden zeigt sich der Geschäftsführer aber nicht. Ursprünglich wollte man Starts bis 23 Uhr. Die Bezirksregierung Münster hatte aber anders entschieden. Die Vertreter der Stadt Unna sind mit der Entscheidung trotzdem nicht einverstanden und wollen dagegen vorgehen.

  • verspätete Landungen bis 23.30 Uhr und verspätete Starts bis 22.30 Uhr sind möglich
  • vier planmäßige Landungen können nun täglich bis 23 Uhr stattfinden, planmäßige Starts weiterhin nur bis 22 Uhr.
  • zudem gibt es eine Beschränkung auf 16 verspätete Starts und Landungen im Monat zwischen 22 Uhr und 23 Uhr.
  • die bisherigen Betriebszeiten laufen von 6 Uhr bis 22 Uhr, hinzu kamen bisher 20 Landungen (Verspätungen) im Monat bis 23 Uhr.

Udo Mager bedauert die Modifizierung des eigentlichen Antrages. Nun will man aber dennoch alle Option nutzen, um das Beste aus dem Standort Dortmund herauszuholen. Schon seit 2010 war abzusehen, dass sich die Nachfrage im Luftverkehr vergrößern würde.

Der Flughafen stärkt seine Position

Mit den erweiterten Betriebszeiten sieht sich der Flughafen Dortmund in der Lage, die Wettbewerbsposition zu verbessern und die Zukunftsfähigkeit zu sichern. Die neuen Betriebszeiten sind aus Sicht des Flughafens ein wichtiges Argument, um die Airlines zu halten und um neue Ziele auf der Karte Europas zu gewinnen. Trotzdem würde man im Vergleich zur Konkurrenz im In- und Ausland aufgrund von strengen Restriktionen sich noch immer im Nachteil befinden.

Lärmgrenzwerte werden aus Sicht des Flughafens nicht erreicht

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) überprüft die geltenden Lärmschutzzonen. Aus Sicht des Flughafens ist es aktuell eher unwahrscheinlich, dass die Anwohner Ansprüche auf baulichen Schallschutz bekommen werden. Im Lärmaktionsplan der Stadt Dortmund spielt der Flughafen im Gegensatz zu Straßen- und Schienenverkehr eine untergeordnete Rolle. Die von NRW Umweltministerium festgelegten Lärm-Grenzwerte werden nach Informationen des Flughafens nicht erreicht.

Stadt Unna will juristisch gegen die Entscheidung vorgehen

Aus Sicht der Vertreter der Stadt Unna spielt der Lärmschutz jedoch eine große Rolle. „Wir werden das juristisch prüfen“, sagt Stadtsprecher Oliver Boer. Man will sich nun mit den Anwälten der Stadt zusammen setzen und dann, wie es auch bisher schon geschehen ist, weiter juristisch gegen späte Start- und Landezeiten vorgehen.

Kommen neue Passagierrekorde?

Im Jahr 2017 knackte der Dortmunder Flughafen die Grenze von zwei Millionen Passagieren. Das bedeutet ein Wachstum von 4,3 Prozent gegenüber 2016. In diesem Jahr könnte eine weitere Steigerung um zehn Prozent gelingen. Durch die neuen Betriebszeiten sieht sich der Flughafen Dortmund für mehr Passagiere gewappnet.

Gemischte Gefühle kommen bei der IHK Dortmund auf

Eigentlich rechnete die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund mit einem anderen Ergebnis. Man hätte Betriebszeiten bis 23 Uhr für den Wirtschaftsverkehr begrüßt. Über den sogenannten „Kompromiss“, wie IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber es ausdrückt, ist man nicht zufrieden.

„Der Dortmunder Airport ist eine Drehscheibe für internationale Geschäftsreisen und ein unverzichtbarer Standortfaktor für den Wirtschaftsstandort Westfälisches Ruhrgebiet. Diesem werden die neuen Betriebszeiten jedoch nicht gerecht“, sagt Schreiber.

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