Dienstag, 16. Oktober 2018

Bevor man die Straßen mit dem eigenen Auto unsicher machen kann, muss jeder durch zwei Führerschein-Prüfungen. Dabei nimmt die Zahl an Fahrschülern, die bei der Theorieprüfung betrügen immer mehr zu. Beim Spicken ist vor allem eine bestimmte Methode beliebt.

Ein Auto bedeutet gerade für junge Leute Freiheit. Doch vor der Freiheit steht die Theorieprüfung. Um die zu bestehen, gibt es immer mehr Fahrschüler, die betrügen. Doch spicken mit einem Zettel oder Handnotizen reicht heutzutage nicht mehr. Immer mehr Fahrschüler vertrauen auf Technik aus dem Internet. „Spy Ear Spicker System“ nennt sich die moderne Art zu schummeln.

Mehrere Tausend Fahrschüler werden bei der neuen Masche jährlich erwischt. Eine große Zahl an Täuschungsversuchen werde aber nicht entdeckt.

Theorieprüfung: So läuft die Masche der Betrüger ab

Bei der Theorieprüfung hat der Prüfling eine Mini-Kamera im Knopfloch, die so klein wie ein Stecknadelkopf ist. Die Kamera filmt den Monitor, auf dem sich die Prüfungsaufgaben befinden. Im Ohr des Prüflings befindet sich ein winziger Lautsprecher, durch den der Fahrschüler dann die im Optimalfall richtigen Antworten von einem Komplizen bekommt.

Bei der digitalen Führerscheinprüfung spicken Fahrschüler immer öfter.
Foto: Bodo Marks/dpa/tmn

Die Theorieprüfung besteht aus 30 von 1000 möglichen Fragen. Die Auswahl der Fragen ist rein zufällig, so verhindert man ein Abschauen beim Nebenmann. Der Fahrschüler beantwortet die Fragen dann über einen PC. Innerhalb von einer Stunde muss man dann die 30 Fragen mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad richtig beantworten.

Durchgefallen ist man, wenn man mehr als zwölf Fehlerpunkte hat oder zwei Mal eine Frage der schwersten Kategorie (5 Punkte) nicht richtig beantwortet.

Hochgerechnet auf ganz Deutschland sind es rund 1600 Fälle jährlich, bei denen mit solchen modernen Systemen betrogen wird, sagt Arne Böhne vom TÜV-Rheinland gegenüber der Deutschen Presseagentur. „Vor 20 Jahren, als wir noch nicht diese ausgefeilte Technik hatten, gab es vielleicht nur ein Zehntel so viele Fälle.“ Dazu komme eine hohe Dunkelziffer an Fahrschülern, die gar nicht erwischt würden. Diese Zahl ginge laut Böhne in die Tausende.

Spicken klappt nicht immer

Dass diese Masche aber kein Erfolgsgarant ist, zeigt ein Fall der Polizei im Märkischen Kreis von 2016. Eine junge Frau hatte sich den winzigen Ohrstöpsel so tief ins Ohr gesteckt, dass dieser nur von einem HNO-Arzt entfernt werden konnte. So flog der Versuch sogar erst im Nachhinein auf.

Auch im Westerwald machte die Polizei einen ähnlichen Fall bekannt. Dort enttarnte man den 21-jährigen Prüfling beim Versuch, zu schummeln. Als man ihn daraufhin ohne seine Spick-Technik testete, hatte er jede Frage falsch beantwortet.

Und die Fahrschüler lassen sich diese hochmoderne Technik einiges kosten. Von ganzen 500 bis 5000 Euro geht Joachim Einig, der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes Rheinland in Koblenz, aus. So viel zahlen laut Einig die täuschenden Prüflinge für das Equipment zum Spicken.

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Schummeln bleibt meist folgenlos

Bislang haben die Fahrschüler noch keine großen Strafen zu erwarten, wenn Prüfer sie erwischen. Das Vorgehen sei weder eine Straftat noch eine Ordnungswidrigkeit, so Arne Böhne vom TÜV Rheinland. „Diese Leute können maximal sechs Monate gesperrt werden.“ Auch der Verkauf solcher Technik sei für die Online-Shops legal.

Die Überlegung, dass Schummel-Versuche in der theoretischen Führerscheinprüfung strafbar sein sollen, gäbe es aber momentan nicht. Dann würden auch Schüler zu Straftätern werden, die in der Abiturprüfung spicken, meint die Sprecherin des Verkehrsministeriums Rheinland-Pfalz Susanne Keeding.

Außerdem müssen solche Betrüger ja auch die praktische Prüfung bestehen. Dabei müsse man auch die Verkehrsregeln können, so Keeding.

Mittlerweile bereiten sich viele Prüfer auch auf mögliche Betrugsversuche vor. Deshalb sammeln sie vor der Prüfung die Handys ein und nutzen einen Detektor. Doch Technik am Körper dürfen die Prüfer nicht bei den Fahrschülern prüfen. Dafür könne man laut Böhne höchstens die Polizei verständigen.

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