Montag, 24. September 2018

Am 8. Mai 1945, vor 73 Jahren, endete eine Epoche des Völkermordes an sechs Millionen Juden. Vergangenen Dienstag (8. Mai) griffen die Grünen im Kreistag das Thema Antisemitismus wieder auf: Sie beantragten, den Punkt „Keine Duldung von Antisemitismus im Kreis Unna“ auf die Tagesordnung zu setzen.

Der Judenhass in Deutschland feiert ein trauriges Comeback. Josef Schuster, der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, warnt mittlerweile Juden davor, in Großstädten die Kippa zu tragen. Justizministerin Barley spricht davon, dass der Antisemitismus in Deutschland wieder salonfähig wird, und das Wort „Jude“ wird wieder als Schimpfwort verwendet. Die Fraktion der Grünen im Kreistag in Unna möchte deshalb das Thema auch im Kreis auf die politische Agenda bringen.

Die Grünen wollen Judenhass im Alltag entgentreten


„In 2017 gab es bundesweit circa 1500 politisch motivierte Straftaten gegen Juden; davon 324 in NRW. Vier am Tag – und vier zu viel“, findet Herbert Goldmann von den Grünen. Zum Vergleich: Laut Statista leben in Deutschland nur knapp 100.000 Menschen jüdischen Glaubens. Anlässlich des Jahrestages der Kapitulation der Wehrmacht griff die Partei das Thema Antisemitismus im Kreistag auf. Aus Sicht der Polizeibehörde in Unna gibt es allerdings aus strafrechtlicher Sicht keinen spürbaren Judenhass in Unna. Antisemitismus, so die Grünen, beginnt aber schon deutlich früher und begegne einem im Alltag. „Er begleitet uns auf der Straße, bei der Arbeit, im Verein.“, betont Goldmann. Man höre schon gar nicht mehr hin und verharmlose judenfeindliche Aussagen, denn „es sei ja nicht so gemeint“. Er findet: „Wir müssen uns auf die Suche nach den Quellen der Ablehnung des Hasses machen.“ Die Grünen fordern dazu auf, gemeinsam zu überlegen, wie man antisemitischen Erscheinungen vor Ort wirksam entgegen tritt.

Die SPD begrüßt Positionierung der Grünen

Auch die SPD habe sich im Kreistag klar positioniert, so Fraktionsvorsitzende Brigitte Cziehso. „Wir haben erklärt, dass wir jede Form von Antisemitismus ablehnen“. In ihrem persönlichen Umfeld sei ihr zwar noch keine Judenfeindlichkeit begegnet, trotzdem hält sie das Thema für sehr wichtig. Sie hofft nun auf einen konkreten Vorschlag der Grünen, wie man dem Antisemitismus entgegentreten kann, und äußert auch selber Ideen. „Wir werden darüber nachdenken, wie wir möglicherweise im Rahmen des Jahres der Demokratie mit dem Thema Antisemitismus umgehen können“, so Cziehso. „Wir werden uns damit beschäftigen“. Alltags-Antisemitismus und der Verwendung von „du Jude!“ als Schimpfwort müsse man im Bereich der politischen Bildung entgegentreten. „Ich bin durchaus bereit, auf der praktischen Ebene, also auch beispielsweise in Berufskollegs hinein, das Thema aufzugreifen“, sagt Cziehso.

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