Sonntag, 23. September 2018

Eine Panne in Bochum hat auch die Polizei im Kreis Unna aufhorchen lassen. Dort hatte ein entlassener Sexualstraftäter eine Frau vergewaltigt. Die Behörden gaben später zu, den Mann nicht richtig überwacht und die Öffentlichkeit zu spät informiert zu haben. Zumindest Letzteres schließt die Polizei in Unna aus.

Sie haben ihre Freiheitsstrafe verbüßt, doch richtig frei sind sie noch nicht: Auch im Kreis Unna werden zahlreiche Sexualstraftäter nach ihrer Entlassung weiter von Gericht und Polizei überwacht. Zu hoch wäre sonst die Rückfallgefahr. Dass die Behörden nicht immer so nah dran sind, wie erhofft, zeigt der Fall aus Bochum.


Dort hatte ein entlassener Sexualstraftäter eine 33-Jährige vergewaltigt. Die Polizei machte den Fall zunächst nicht öffentlich. Später räumten sie Fehler ein. Der 30-Jährige Mann war Teilnehmer des Präventionsprogramms „KURS“ („Konzeption zum Umgang mit rückfallgefährdeten Sexualstraftätern“). Jetzt sitzt er in Untersuchungshaft.

Das Präventionsprogramm soll die Gefahr verringern, dass entlassene Sexualstraftäter rückfällig werden. Dazu stehen sie unter Führungsaufsicht. Je nach Schwere der Tat, dem Profil und ihrer Entwicklung werden Täter laut Innenministerium NRW in Risikogruppen eingeordnet. Das geschieht erstmals bei Entlassung aus der JVA, kann aber jederzeit revidiert werden. Beteiligt sind an dem Verfahren außerdem Staatsanwaltschaft, Landeskriminalamt, Führungsaufsichtsstelle und Kreispolizeibehörde.

Keine genauen Zahlen für Unna

Auch in Unna werden nach Angaben der Polizei entlassene Sexualstraftäter betreut. Über ihre Zahl wollten bei der Vorstellung der Kriminalstatistik am Mittwoch jedoch weder Landrat Michael Makiolla noch die Kreispolizeibehörde genauere Angaben machen. Landesweit seien derzeit 1.056 Probande in diesem Programm. Voraussetzung ist, dass die Männer unter Führungsaufsicht stehen. Diese kann dann vom Gericht angeordnet werden, wenn nicht auszuschließen ist, dass ein verurteilter Täter nach seiner Freilassung erneut straffällig wird.

Die Kreispolizeibehörde in Unna. Foto: Florian Forth/Unna24

Die Veröffentlichung genauerer Zahlen für einzelne Landkreise sei unüblich, sagte Landrat Makiolla – und darüberhinaus vom Innenministerium nicht gewünscht. Kriminaldirektor Frank Kujau sagte, dass die Veröffentlichung von Zahlen einzelner Behörden nur dazu führen würden, die Bevölkerung zu beunruhigen. Über die tatsächliche Gefahr sagten sie aber nichts aus.

So geht die Polizei vor

Die entlassenen Sexualstraftäter in Unna ordnet die Kreispolizeibehörde in die mittlere Risikogruppe ein – vorausgesetzt, die präventiven Maßnahmen würden wegfallen. Rund um die Uhr werde aber niemand bewacht. Die Polizei hält auf richterliche Anordnung persönlichen Kontakt zu den Sexualstraftätern, auch im privaten Umfeld und ist für den Opferschutz zuständig.

Generell wird in dem Programm auch die Wohnsituation überprüft und mit Betroffenen, etwa der Lebensgefährtin, gesprochen. Die Beamten können zudem überwachen, ob der Proband zu seinen Therapiesitzungen geht oder ihn – bei besonderen Anlässen – observieren.

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