Dienstag, 25. September 2018

Arbeiten unter der Hand ist keine Seltenheit. Manche Leute melden ihr Gewerbe nicht an, andere haben keine Sozialversicherung und wieder andere umgehen geschickt die Steuerzahlungen. Dem Staat entgehen so hunderte Milliarden Euro an Steuern. Der Kreis Unna veröffentlichten nun die Zahlen zur sogenannten Schattenwirtschaft. 

„Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt“, macht der Kreis Unna klar. Doch so sehr sich die Mitarbeiter der Ordnungsangelegenheiten häufig über Steuersünder ärgern – die Jahresstatistik von 2017 gaben dem Kreis einen Grund zur Freude: Die Zahl der bearbeiteten Fälle ging zurück.

Schwarzarbeit geht in Unna und deutschlandweit zurück


42 Fälle von Schwarzarbeitern gingen 2016 noch über die Schreibtische der Unnaer Beamten. 2017 waren es mit 26 Fällen deutlich weniger. Bei den Bußgeldbescheiden sah das Ganze allerdings anders aus. „Die Summe der festgesetzten Bußgelder ist trotz der geringen Anzahl der bearbeiteten Fälle gestiegen“, stellt der Kreis fest. 2016 verhängten die Beamten noch Bußgelder in der Höhe von insgesamt 6.530 Euro. 2017 war der Wert um einiges höher: Die Summe stieg auf 11.300 Euro.

Deutschlandweit sank der geschätzte Umfang des durch Schwarzarbeit erwirtschafteten Geldes. Trotzdem: 328 Milliarden verdiente Euros wurden nicht gemeldet. Dem Staat ging dadurch 10 Prozent des Bruttoinlandprodukts verloren. Letztes Jahr waren es sogar noch 336 Milliarden Euro. Es ist das achte Jahr in Folge, dass die sogenannte Schattenwirtschaft zurück geht. Die Prognose zeigt auch deutlich: Die Schwarzarbeit sinkt weiter. Experten schätzen, dass 2018 nur noch 323 Milliarden Euro unter der Hand erwirtschaftet werden. Grund dafür könnten bessere Beschäftigungsmöglichkeiten sein.

Handwerker sind im Blickpunkt der Behörden

Im Fadenkreuz der Kontrolleure befanden sich im vergangen Jahr erneut nicht ordnungsgemäß angemeldete Handwerker. Zu dieser „unberechtigten Handwerksausübung“ gehört beispielsweise das Tapezieren oder streichen von Wohnung gegen Geld. Wer als Nebenverdienst am Wochenende Badezimmer renoviert oder Böden verlegt, dafür aber kein Gewerbe angemeldet hat, gerät in den Blickpunkt der Kontrolleure. Schwarzarbeit umfasst alle wirtschaftlichen Aktivitäten, die dem Staat nicht gemeldet wurden und deshalb nicht in das Bruttoinlandsprodukt (BIP) eingehen.

Erwischt einen der Zoll bei der Schwarzarbeit, wird es teuer.  Bild:dpa

Ab wann ist es Schwarzarbeit?

Ist es auch Schwarzarbeit, wenn man das Nachbarskind ab und zu babysittet? Nicht jede Gefälligkeit, für die man als Dank ein paar Euros zugesteckt bekommt, ist gleich Schwarzarbeit. Passt man also alle paar Wochen abends auf das Baby von Freunden auf, damit die Eltern in Ruhe essen gehen können, ist es nicht Schwarzarbeit. Passt die Nachbarin dagegen jeden Freitag zu geregelten Zeiten auf den Nachwuchs auf, wird es kritisch. Auch die Putzhilfe oder Pflegekraft arbeitet sicherlich nicht nur aus Nächstenliebe, sondern – vor allem, wenn sie regelmäßig kommt – für das Geld. Wird das nicht angemeldet, fällt die Beschäftigung ebenfalls unter Schwarzarbeit. Hilft man einem Kumpel am Wochenende beim Renovieren und bekommt dafür ein bisschen Geld zugesteckt, ist das auch noch im Rahmen des legalen. Ist der Betrag deutlich geringer als der Wert der Arbeit, gilt die Aushilfe nur als Gefälligkeit unter Freunden.

ANZEIGE