Donnerstag, 06. Dezember 2018

Zwischen Schwerte und Westhofen fahren aktuell wenig Züge der Bahn. Stattdessen steht dort eine riesige Waschmaschine auf den Gleisen. Doch was macht die da eigentlich?

Zu allererst steigt die Temperatur um mehrere Grad. Dann wirbelt der Staub auf, den eine solche Maschine von sich gibt. Das Geräusch von Schotter auf Stahl, würde das Arbeiten ohne Arbeitskleidung und Gehörschutz fast unerträglich machen. Mitten auf den Schienen zwischen Schwerte und Westhofen steht das über 400 Meter lange Ungetüm.

Die Bahnstrecke in Schwerte muss saniert werden. Foto: Dennis Liedschulte/Unna24

Drei essentielle Bestandteile eines Gleises – der Schotter stabilisiert Schwellen und Schienen. Foto: Dennis Liedschulte/Unna24

Ralf Gruner zeigt alten (rechte Hand) und aufbereiteten Schotter (linke Hand, hell). Foto: Dennis Liedschulte/Unna24

Ein sehr langer Name

Die „Hochleistungsbettungsreinigungsmaschine“ arbeitet in den Sommerferien auf der Bahnstrecke zwischen Westhofen, Schwerte und Heide. „Das ist eine Strecke von knapp elf Kilometern“, sagt Florian Kreibe, Pressesprecher der Deutschen Bahn. Aber was macht diese 400 Meter lange Maschine mit dem unglaublich langen Namen genau? „Generell ist das eine riesige Waschmaschine, die den Schotter wäscht, der unter den Schienen liegt“, fügt Kreibe hinzu.

So sieht die „Hochleistungsbettungsreinigungsmaschine“ im Ganzen aus. Foto: MGW Gleis- und Weichbau-Gesellschaft

Hier wird alter Schotter, der nicht mehr gebraucht wird, zum Bahnhof nach Schwerte gebracht. Eventuell wird er noch im Straßenbau genutzt. Foto: Dennis Liedschulte/Unna24

Bei Straßen sieht und spürt man es, wenn eine Sanierung nötig wird. Bei Schienen ist das anders: „Für den Bahnfahrer ist das kaum zu spüren. Lokführer, die jeden Tag im Führerhaus sitzen, kennen den Unterschied zwischen guten Schienen und sanierungsbedürftigen Schienen. Sehen kann man das schon gar nicht“, sagt Ralf Gruner, der Leiter des Maschineneinsatz der MGW Gleis- und Weichbaugesellschaft.

Schotter stumpft mit der Zeit ab

Doch nicht nur Gleis und Schwelle müssen erneuert werden. Gerade der Schotter darunter muss kantig, scharf und grob sein. Nicht zu rund, nicht zu körnig. „Er muss sich verkeilen, dann gibt er Halt und hat Hohlräume, damit Wasser und Schmutz ablaufen“, sagt Gruner.
Doch wie lange dauert es, bis eine Strecke saniert werden muss? „Das kommt immer ganz auf den Nutzen an.“ Zwischen Schwerte, Westhofen und Heide fahren sowohl Güter- und Personenzüge, als auch der Fernverkehr. „Das kann hier schneller gehen. Im Durchschnitt aber hält so eine Strecke zwischen 20 und 25 Jahren“, sagt Gruner.

Die ganze Maschine ist 400 Meter lang. Der Schotter muss mehrere Stationen durchlaufen. Foto: Dennis Liedschulte/Unna24

Im Vordergrund schaufelt die Maschine den alten Schotter ein. Im Hintergrund spuckt sie aufbereiteten Schotter wieder aus. Foto: Dennis Liedschulte/Unna24

Es ist laut und warm, die Arbeiter tragen Ohrenschutz. Foto: Dennis Liedschulte/Unna24

Hoher Anteil an recyceltem Schotter

Auf den elf Kilometern Strecke, die die Bahn zusammen mit den Firmen MGW Gleis- und Weichenbau und Falkenhan Bau saniert, kommen 42.000 Tonnen Schotter zusammen. „25.000 Tonnen können wir durch den Einsatz der Maschine wiederverwenden. Hinzu kommen 17.000 Tonnen Neuschotter“, sagt Kreibe. Der Schotter, der nicht mehr verwendet werden kann, wird am Bahnhof Schwerte zwischengelagert und eventuell für den Straßenbau genutzt.

Eine lange Maschinerie

Doch wie funktioniert die „Hochleistungsbettungsreinigungsmaschine“? Sie fährt auf den Gleisen und rüttelt den Schotter durch Siebe. Dann werden kleine, unbrauchbare Bestandteile entsorgt. Der Schotter wird in der sogenannten Prallmühle scharfkantig aufbereitet. „Generell schmeißt die Maschine den Schotter gegen eine Wand. Deshalb ist das auch so laut“, sagt Gruner. Die Hochleistungswaschmaschine wäscht den Schotter und gibt ihn dann wieder ins Gleisbett – nach seinem Weg durch die 400 Meter lange Maschine.

Ein Arbeiter rollt eine Plane als Unterlage aus. Foto: Dennis Liedschulte/Unna24

Obwohl der Schotter durch die ganze Maschine läuft liegen Eingang und Ausgang der Maschine sehr nahe beieinander. Foto: Dennis Liedschulte/Unna24

Die Maschine schafft rund 100 Meter Gleis in einer Stunde. Foto: Dennis Liedschulte/Unna24

Die Arbeiter an der Maschine sind einer extremen Lautstärke ausgesetzt. Es ist heiß und staubig. Sie tragen Gehörschutz und wechseln sich in Schichten ab. Nils Bechtel, Projektleiter der Gleisbaufirma Falkenhan, fügt hinzu: „Durch den Einsatz dieser Maschine sparen wir uns insgesamt 2000 LKW-Fahrten und die Abgasemissionen von 150.000 Kilometern.“ Der gesamte Bau kostet knapp mehr als drei Millionen Euro.

Zu den Sommerferien soll alles fertig sein

Insgesamt wurden 22.000 Meter neue Schienen und 18.000 Schwellen auf zwei Gleisstrecken von 5,5 Kilometern ausgetauscht. „Das hört sich sicherlich wenig an, ist aber eine Mammutaufgabe“, sagt Kreibe. Die große Maschine bewegt sich nur sehr langsam. Sie schafft insgesamt 100 Meter in der Stunde. Die Arbeiten finden während der Sommerferien statt und liegen derzeit im Plan. „Wir sind pünktlich um vier Uhr am 30. August 2017 fertig“, sagt Kreibe.

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