Donnerstag, 06. Dezember 2018

Eine vier Meter große „Fiale“ brach beim Sturm „Friederike“ an der Evangelischen Stadtkirche in Unna ab. Der Schaden ist so groß, dass die Kirche Wochen oder gar Monate geschlossen bleiben könnte. 

Die Gefühle bei der evangelischen Kirchengemeinde sind am Freitag nach dem Sturm „Friederike“ gemischt. Trauer und Betroffenheit mischen sich mit einem unwirklichen Gefühl. Am Donnerstag (18. Januar) brach am Vormittag eine sogenannte „Fiale“ von der Evangelischen Stadtkirche in Unna ab, krachte auf das Dach des Gewölbes und dann weiter auf den Boden. „Es ist der größte Schaden und die größte Katastrophe seit Ende des Zweiten Weltkrieges“, versicherten Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde in Unna.

Hier fehlt die sogenannte „Fiale“. Foto: Evangelischer Kirchenkreis (bearbeitet von Unna24)

Glück im Unglück macht es auch nicht besser

Es ist ein großes Glück, dass sich am Donnerstag niemand verletzte oder gar zu Tode kam. Die Fiale ist circa vier Meter groß und wiegt knapp eine Tonne. Auch die Kirche hatte Glück. Beim Sturz brach die verzierte Säule in mehrere Teile. Der obere Teil krachte in das Gewölbe. Der untere, schwerere Part rutschte auf den Boden ab. „Im Endeffekt hätte es sowohl für Mensch als auch für Gebäude noch schlimmer kommen können“, so Daniel Ernst vom Werner Bauingenieure. Einige Brocken Steine stecken noch immer im Gewölbe der Kirche. Es kam aber nicht zu einem Durchbruch. „Das macht es jedoch nicht unkomplizierter“, sagt Ernst, der sich beruflich auf Denkmalbauten konzentriert.

Pfarrerin Renate Weißenseel wirkte auf der Pressekonferenz am Freitag (19. Januar) berührt. Am Donnerstag und Freitag kontaktierten zahlreiche Menschen aus Unna die evangelische Kirchengemeinde. „Für viele Menschen ist die Stadtkirche ein Symbol für Unna. Es sind zahlreiche Tränen geflossen, aber auch stärkende Worte gefallen“, sagt Weißenseel.

Unsicherheit über Zustand war kritisch

Dietrich Schneider, Presssprecher des Evangelischen Kirchenkreises Unna, hielt sich in der Stadt auf, als die Fiale vom Dach der Kirche krachte. „Es muss vormittags gewesen sein. Wir bekamen eine Nachricht von Mitarbeitern der Sparkasse. Dann wurde das Ausmaß bekannt“, sagt er.

Danach ging alles sehr schnell. Die Polizei war schon in der Stadt vor Ort und sperrte Bereiche der Bahnhofsstraße ab. Die Absperrung der Kirche und des Kirchplatzes ging sehr schnell. Doch noch am Donnerstag mussten Dachdecker und Zimmerleute die Bruchstelle im Gewölbe sichern und eventuelle weitere Schäden begutachten. Christoph Schulte, Architekt des Evangelischen Kirchenkreises Unna, erklärt den Ablauf: „Das waren nur die ersten Handgriffe, um Ort und Gebäude zu sichern. Wir mussten erst den Sturm abwarten.“

Ein Teil bleibt einsturzgefährdet

Am Freitag konnten erste Erkenntnisse gesammelt werden. Die Bilanz ist erdrückend. „Wir sprechen davon, dass die Kirche wohl für Wochen gesperrt bleibt“, sagt Schulte. Die gesamten Arbeiten werden Unna die erste Jahreshälfte über begleiten. Das Kreuzgewölbe auf der linken Seite der Kirche ist instabil. Zunächst müssen Daniel Ernst und sein Team ein Gerüst errichten und den einsturzgefährdeten Bereich sichern. „Dann müssen wir die Steinbrocken irgendwie entfernen. Erst dann kann das ganze Ausmaß des Schadens abgeschätzt werden“, sagt Ernst. Wenn der Bereich gesichert ist, dann kann die Kirche auch wieder benutzt werden. Architekt Schulte schätzt, dass es Mitte oder Ende Februar soweit sein kann. Der Evangelische Kirchenkreis Unna informierte Denkmalbehörde und die Landeskirche. Ein baulicher Fehler, so viel ist jetzt schon festzustellen, konnte bisher nicht erkannt werden. Wie viel das Ganze kosten wird, kann ebenfalls noch nicht abgeschätzt werden.

Was passiert jetzt? In Unna wird es leise. Denn aufgrund der Schäden bleibt die große Kirchenglocke stumm. Nur zur Stunde gibt es einen kurzen Gong. „Wir laufen sonst Gefahr, dass uns der Bereich des Gewölbes einbricht“, sagt Pressesprecher Schneider. Der Gottesdienst wird in das Martin-Luther-Haus verlegt.

Einmal setzte ein Blitz alles in Brand

Die Stadtkirche wurde zwischen 1322 und 1479 erbaut. Es gab aber schon einen Vorgängerbau, der im 9. Jahrhundert erbaut wurde. Im Jahr 1862/63 traf ein Blitz den alten Kirchturm und setzte ihn in Flammen. Im Zweiten Weltkrieg beschossen die Amerikaner die Stadt Unna. Auch die Stadtkirche wurde beschädigt. Stadtführer Wolfgang Frenser ist sich jedoch sicher: „Das ist der größte Schaden und die größte Katastrophe seit Ende des Zweiten Weltkrieges.“

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