Montag, 24. September 2018

Bei Temperaturen über 25 Grad ließen es sich viele Unnaer am Samstag nicht nehmen, einmal über den mittelalterlichen Westfalenmarkt zu schlendern. Von Rittern, Gauklern bis Händlern sind alle dabei. Unna, das mit all den Fachwerkhäusern sowieso schon sehr historisch ist, taucht ein Wochenende in vergangene Zeiten ein.

„Es ist eine kleine Zeitreise“, sagt auch Inga Scheffel. Die Markthändlerin auf dem Westfalenmarkt ist von ihrem Hobby, dem Mittelalter, begeistert.  „Es ist ein Traum. Man lernt so viele nette Menschen kennen. Einfach nur herrlich“, schwärmt sie. Während ihrem Wochenende als mittelalterliche Marktfrau kocht sie selbst Rezepte aus dieser Zeit. Den Besuchern bietet sie aber keine Rüben, sondern Krüge aus Rinderhorn an.

Händler aus ganz Europa verkaufen mittelalterliche Ware


Händler Christian Schulz stellt jedes Jahr wieder seinen Stand, das „Lummellland“, auf dem Unnaer Marktplatz auf. In seiner Kinderrüstkammer macht er aus Kindern Ritter und Burgfräuleins. „Das Mittelalter ist ein Thema, das jung und alt begeistert. Es wird immer Kinder geben, die Ritter spielen wollen.“ sagt er.

Man ist es ja schon gewohnt, dass sich auf Mittelalter-Märkten Menschen aus ganz Deutschland tummeln. Dank Roszonyi Gabor können wir aber sagen: In Unna sind Händler aus ganz Europa dabei! Der Ungar verkauft Ocarinas, ein altes, flötenähnliches Toninstrument aus dem 16. Jahrhundert. Auf ungarisch heißt die Ocarina „Perlen-Song“, benannt nach der Form des Instruments.

Gaukler Jeremias spielt mit Feuer

Doch natürlich waren nicht nur Händler auf dem Platz zugange. Besonders bei den Kindern war der Gaukler Jeremias beliebt. Mit seinen Jonglierkünsten, Späßen und Spielen mit dem Feuer gewann er aber auch die Erwachsenen für sich. Besonders beliebt ist sein Trick der „gebrannten Mandeln“, bei dem er zum Feuerschlucker wird. Jeremias, mit bürgerlichem Name Michael Courte, tritt hauptberuflich als Gaukler, Räuber oder Pirat auf. In Unna ist er jetzt bereits zum fünften oder sechsten Mal. „Die Kulisse ist einfach wunderschön“, findet er.

Wer Lust auf eine historische Stadtführung hoch zu Ross hat, kann mit der alten Postkutsche eine Tour durch Unna machen. Der Dreigespänner kommt noch aus dem 18. Jahrhundert. „Dieses historische Schmuckstück ist eine echte Bereicherung für den Westfalenmarkt“, freut sich Organisator Thomas Weber

Leones Pugnae organisieren Kinderschlachten

Mit dabei ist sind auch wieder die Mitglieder des Mittelaltervereins Leones Pugnae, die „Löwen der Schlacht“. Sie organisieren unter anderem die Kinderschlachten. Ihre Charaktere ziehen sie hauptsächlich aus den Kämpfern der Schlacht von Worringen im Jahre 1288. Claudia Dadaniak von den Leones Pugnae liebt an den Mittelalterfesten die Freundschaft unter gleichgesinnten. Gesellschaftliche Klassen, so Dadaniak, spielen hier keine Rolle.  „Wenn wir im Mittelalter sind, sind die anderen, die Unverkleideten, die Freaks“, lacht Vereinsmitglied Peter Gerwing. Er selber wurde vor langer Zeit durch seine Freundin dem Mittelalter-Leben vorgestellt. „In dieser schnelllebigen Zeit hat man so etwas, das entschleunigt“, findet er.

Der Westfalenmarkt geht am Sonntag weiter. Von 11 bis 18.30 Uhr wird Unna wieder historischer, als es sowieso schon ist. Außerdem ist am Sonntag verkaufsoffen.

 

 

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