Donnerstag, 06. Dezember 2018

Folien und Tüten dürfen an keiner Wurst- und Fleischtheke fehlen. Denn in sie wird die Waren meist mehrfach eingepackt. Zwei Rewe-Märkte arbeiten daran, diesen Müll zu vermeiden, und packen die Wurst auch in die mitgebrachte Plastikdose.

Schuld sind die strengen Hygiene-Regeln, wenn an der Wursttheke der Ring Fleischwurst erst in eine Folie eingerollt wird, dann in einer durchsichtigen, kleinen Tüte verschwindet, um schließlich in einer großen Tüte noch einmal eingepackt zu werden. Noch zu tackern, fertig ist das Plastikmüll-Wurstpaket.

Um diesem Verpackungsirrsinn zu entgehen, starten zwei Rewe-Märkte der Region mit einer Müllvermeidungsaktion durch. In diesen beiden Supermärkten landen Wurst und Fleisch immer öfter in Mehrwegdosen statt in Plastikfolien.

Märkte in Dortmund und Unna machen es vor

In Dortmund Höchsten oder auch in Unna am Hellweg sollten Kunden demnächst immer eine Tupperdose dabei haben. Denn hier werden Wurst und Fleisch inzwischen auch ohne Plastikmüll drumherum verkauft und direkt in die mitgebrachten Dosen gepackt.

Wer seine eigene Dose vergessen hat und trotzdem auf Plastiktüten verzichten möchte, kann sich im Supermarkt einen wiederverschließbare Dose kaufen. In Unna werden die sogar zum Einkaufspreis angeboten. Der Markt verdient daran nichts.

Ordnungsamt legt Regeln fest

Und so geht es: Der mitgebrachte Behälter – es kann eine Plastikdose oder auch ein Glasbehälter sein – wird auf die Theke gestellt. „Oben drauf, das ist wichtig“, so Sylvia Engel von Rewe Engel in Unna. Denn die Verkäufer hinter der Wurst- und Fleischtheke dürfen die Dose nicht anfassen.

Die ständig wachsendenMengen Plastikmüll lassen die gelbe Tonne überquellen. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Dann füllen Mitarbeiter die Ware direkt in die Mehrwegdose. Das läuft in Unna anders als in Dortmund. „Das kommt immer ein wenig auf das zuständige Ordnungsamt an“, erklärt Sylvia Engel, die mit ihrerer Rewe-Filiale schon fast eine Vorreiterrolle bei der Müllvermeidung einnimmt.

Plastikfrei kommt gut an

In Unna flutscht die Hühnerbrust direkt von der Fleischgabel in die Dose, die der Kunde auf der Theke platziert hat. Zum Wiegen legen die Verkäufer die Ware auf ein Metalltablett, das die Marktleiterin extra angeschafft hat. Die entsprechende Tara in der Waage sorgt dafür, dass für den Kunden keine Extrakosten entstehen – gewogen wird nur das Fleisch, nicht das Tablett.

In Dortmund wird die Tupperdose dagegen auf ein Tablett gestellt, dass von der Verkäuferin über die Theke gereicht wird. Darauf darf die Dose sogar hinter die Theke wandern – was in Unna undenkbar wäre. Aber auch hier ist wichtig: „Die Kollegin hinter der Theke fasst die Dose des Kunden nicht an“, so die stellvertretende Marktleiterin Nicole Dippel.

In Unna bei Rewe Engel fährt man bereits seit dem Frühjahr sehr gut mit dem neuen Konzept. Bei Rewe Homberg in Dortmund Höchsten können Kunden seit gut zwei Monaten ihre eigenen Behälter mitbringen. In beiden Filialen ist die Rückmeldung zur Vermeidung von unnötigem Plastikmüll gut. „Es wird durchweg sehr positiv aufgenommen“, bestätigt Sylvia Engel.

Plastikmüll vermeiden: Nachahmer erwünscht

Sylvia Engel würde sich jetzt vor allem mehr Nachahmer wünschen. Ihr Konzept bietet sie gerne als Blaupause für andere Filialen an. „Wir haben lange nach einer bezahlbaren Lösung für unsere Filiale gesucht, da helfe ich anderen Marktleitern natürlich gerne weiter.“

Das Engagement in Punkto Mehrwegdose kommt von den Filialen selbst. Auch die Abnahme vom Ordnungsamt für das Konzept haben die Märkte selbst auf den Weg gebracht.

Neben der Neuerung an der Fleischtheke sind die beiden Supermärkte auch an der Obst- und Gemüsetheke Vorreiter bei der Vermeidung von Plastikmüll: Statt Plastiktüten gibt es in Unna ab Januar beschichtete Baumwolltüten. In Dortmund liegen die Tüten schon länger an der Obsttheke aus.

Kein Konzept für alle Rewe-Märkte

Die Märkte der Rewe Dortmund SE & Co. KG werden hauptsächlich von selbstständigen Kaufleuten betrieben. So auch die beiden Supermärkte in Dortmund und Unna.

Aus Sicht von Rewe Dortmund ist „eine Annahme von mitgebrachten Behältern und die Befüllung durch das Verkaufspersonal aufgrund der Verantwortung des Lebensmittelunternehmers und des schwer prüfbaren Hygienezustandes der mitgebrachten Behälter als kritisch einzustufen“. An einer praktikablen Lösung wird jedoch weiter gearbeitet.

Mit der Vorgehensweise der beiden Rewe-Märkte, die in Eigeninitiative testweise an der Servicetheke Kundenbehältnisse annehmen, müssen laut Rewe Dortmund der betreffende Kaufmann, die Marktmitarbeiter, Kunden und insbesondere die Lebensmittelüberwachungsbehörden erst noch Erfahrungen sammeln.

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