Dienstag, 16. Oktober 2018

Ein 22-jähriger Student aus Unna ist zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Er hatte sich vor zwei Jahren von einem damals zwölfjährigen Mädchen Porno-Videos auf Whatsapp schicken lassen und mit ihr über sexuelle Fantasien gechattet.

Die Anklageschrift an den mittlerweile 22-jährigen Studenten enthält Teile seines Chatverlaufs mit einem 12-jährigen Mädchen. Er beschrieb ihr seine sexuellen Fantasien, zum Beispiel Szenen unter der Dusche. Außerdem brachte er sie mehrfach dazu, ihm pornografische Videos zu schicken. Aufforderungen wie „Spreiz die Beine“ gehören noch zu den harmlosesten.

Aber die Zwölfjährige machte bereitwillig mit. Sie schickte dem Mann vom 20. bis 28. Dezember 2016 zahlreiche Videos, Fotos und Nachrichten. Kennengelernt hatten sich beide nie im realen Leben, sondern in einer Sex-App. Dort waren beide in einer Ü16-Chatgruppe. Doch als sie anfingen, auf Whatsapp zu schreiben, gestand das Mädchen dem damals 20-Jährigen, dass sie erst zwölf Jahre alt war. Das hielt ihn aber nicht vom Schreiben ab.

Fünf Kinderpornos auf dem Laptop

Die Sache flog auf, als der Angeklagte sich mit einer Freundin der Zwölfjährigen, die er ebenfalls über den Chat kannte, stritt. Er drohte ihr, sie bekam Angst und erzählte alles ihrer Mutter. Am 19. März 2017 durchsuchte schließlich die Polizei die Wohnung des Angeklagten. Auf seinem Laptop fand sie dabei fünf Kinderpornos, in denen die Hauptdarsteller größtenteils unter zehn Jahren alt waren. Diese hatte der Angeklagte laut eigener Aussage jedoch von einem anderen Mann über die Sex-App zugeschickt bekommen.

Der Angeklagte erklärte vor Gericht nicht wirklich, warum er sich von dem Mädchen Videos schicken ließ. Er sagte, er habe mit 17 Jahren sehr darunter gelitten, dass seine erste Freundin mit ihm Schluss machte. Dann habe es sich ergeben, dass er ein bisschen „herumexperimentierte“. Er sagt, dass es für ihn nicht relevant war, ob die Videos von erwachsenen Frauen oder einer Zwölfjährigen kamen. Inzwischen, nach eineinhalb Jahren, bereut der Angeklagte nach eigener Aussage jedoch alles. „Ich schäme mich sehr für meine Tat“, sagte er vor Gericht.

Für die Richter ein schwieriger Fall. Auf der einen Seite die Schwere der Tat und die Vielzahl der Vorwürfe: sexueller Missbrauch von Kindern in zehn Fällen, davon fünf zusätzlich mit kinderpornografischen Schriften, und ein Fall von Besitz kinderpornografischer Videos.

Geständnis sorgt für Bewährung und Geldstrafe

Auf der anderen Seite hatte der Angeklagte vor Gericht ein umfassendes Geständnis abgelegt. Die Taten fanden in einem begrenzten Zeitraum statt. Und er war strafrechtlich noch nicht aufgefallen. Sein Verteidiger plädierte außerdem für eine Behandlung nach dem Jugendstrafrecht, weil er zum Zeitpunkt der Taten noch 20 war.

Doch das lehnte die Richterin in ihrem Urteil ab. Sie begründete die Entscheidung damit, dass bei dem Angeklagten als alleine lebendem Studenten keine Entwicklungsstörungen vorliegen. Außerdem sind die Taten typisch für Erwachsene und nicht für Jugendliche.

Daher verurteilte die Richterin den Mann zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung. Er muss zudem 1.800 Euro in Raten an den Kinderschutzbund Unna zahlen. Dort muss er auch an zehn Beratungsgesprächen teilnehmen, bei denen ihm die Opferperspektive nähergebracht werden soll.

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