Sonntag, 23. September 2018

Wer mit einem Rollstuhl oder einem E-Scooter auf Gleis 1/18 des Unnaer Bahnhofs möchte, der ist grundsätzlich arm dran. Ein Treppenlift führt zwar aufs Gleis, allerdings nur nach vorheriger Anmeldung bei der Deutschen Bahn. Jetzt ist der Lift auch noch defekt, weil Unbekannte ihn mutwillig zerstörten. Für Reisende mit Rollstuhl eine kleine Katastrophe. Doch es gibt Hoffnung.

Mit rot-weißem Flatterband versehen steht er da, einsam und allein im dunklen Bahnhofstunnel, so lädiert, dass man ihn austauschen muss: der Treppenlift für Rollstuhlfahrer am Unnaer Bahnhof.


Seit geraumer Zeit ist der Lift defekt – mutwillig zerstört. Die Täter sind unbekannt. In diesem Bereich des Bahnhofs gibt es keine Videoüberwachung – obwohl der Bahnhof in Unna laut einem Sprecher der Bahn als „Vandalismusschwerpunkt“ gilt.

Der Lift für behinderte Menschen am Bahnhof Unna ist defekt. Foto: Daniele Giustolisi/Unna24

Ein neuer Lift, so der Sprecher, sei bereits bestellt. Doch bis der Ersatz da ist, vergehen noch Wochen. „Sowas findet man nicht von der Stange oder im Baumarkt, sowas muss in Auftrag gegeben werden“, so der Sprecher. Im Sommer, so denn alles gut geht, soll der neue Lift dann in Betrieb gehen.

24 Stunden vorher bei der Bahn anmelden

Bis dahin müssen sich Rollstuhlfahrer etwas einfallen lassen. Grundsätzlich gilt: Wer den Lift benutzen will, sollte sich etwa 24 Stunden vorher beim Mobilitätsservice der Deutschen Bahn (01806/512512) anmelden. Die Bahn gibt das dann weiter an einen Dienstleister in Unna. Hier sind die Hellweg-Ambulanz und die Radstation am Bahnhof zuständig. Während die Männer von der Radstation den Lift tagsüber bedienen, kümmert sich die Hellweg-Ambulanz um Aufträge am Abend und in der Nacht.

Der Lift für behinderte Menschen am Bahnhof Unna ist defekt. Foto: Daniele Giustolisi/Unna24

Pause in Sachen Behinderten-Betreuung haben die Dienstleister aber nicht, bis der neue Lift im Sommer da ist. „Meldet sich ein Rollstuhlfahrer aktuell bei uns an, schicken wir zwei Mitarbeiter, die die Person dann die Treppe hoch oder runter tragen“, sagt ein Sprecher der Hellweg-Ambulanz. Bei der Radstation will man das Tragen dagegen nicht übernehmen. „Das können wir nicht leisten“, sagt ein Mitarbeiter am Mittwoch gegenüber Unna24. Und so landen die Fälle, die die Radstation nicht bearbeitet wiederum bei der Hellweg-Ambulanz.

Anderen Bahnsteig nehmen

Alternativ schlägt die Deutsche Bahn für Rollstuhlfahrer vor, in Züge am Bahnsteig 2/4 zu steigen, damit dann zum nächsten Bahnhof zufahren und dann mit dem nächsten Zug zurückzufahren, der in Unna am Bahnsteig 1/18 gehalten hätte. „Das ist doch absolutes Wunschdenken“, kommentiert ein Mitarbeiter der Hellweg-Ambulanz den Lösungsvorschlag der Deutschen Bahn.

Videoüberwachung am Bahnhof in Unna: Der Tunnel, in dem der Lift ist, wird von den Kameras am Bahnhof nicht erfasst. Foto: Daniele Giustolis/Unna24

Befriedigend ist die Situation am Ende aber für niemanden. Die Bahn etwa bleibt auf den Kosten für die Neuanschaffung sitzen. „Das Geld würden wir gerne zum Nutzen unserer Kunden einsetzen, aber da sind uns die Hände gebunden – und das tut uns Leid“, sagt ein Bahn-Sprecher. Zum Hintergrund: Allein in 2017 musste die Bahn 34 Millionen Euro für Vandalismusschäden aufwenden. Ausbaden müssen es am Ende die Rollstuhlfahrer. Barrierefreiheit sieht anders aus.

Bahn plant „mittelfristig“ einen Aufzug

Übrigens: „Mittelfristig“, so der ein Sprecher der Deutschen Bahn gegenüber Unna24, solle der Bahnhof Unna barrierefrei ausgebaut werden. Für Bahnsteig 1/ 18 ist ein Aufzug vorgesehen. Es gibt also Hoffnung für behinderte Menschen. Wie lange das dauert, stehe aber noch nicht fest.

Kommentar des Autors:

Die Barrierefreiheit am Bahnhof in Unna ist nicht nur aktuell ein Witz. Selbst an Tagen, an denen der Lift funktioniert, müssen Rollstuhlfahrer Mühen auf sich nehmen. Mal spontan mit der Bahn wohinfahren, das geht als behinderter Mensch ab Unna nicht. Man muss sich 24 Stunden vorher bei der Bahn anmelden, ist ständig auf die Hilfe der Dienstleister von der Hellweg-Ambulanz oder der Radstation angewiesen. Zu allem Überfluss gibt es dann doch noch die idiotischen Vandalen, die meinen, sie müssten den Bahnhof kurz und klein schlagen. Zu wünschen wäre es, dass sie dafür, sollten sie geschnappt werden, empfindlich dafür zahlen müssen. Aber dafür bedürfte es intensiver Aufklärungsarbeit durch die Bundespolizei. Und da – das ist inzwischen bekannt – brennt personell der Baum. Bleibt die Frage, ob da ein kaputter Treppenlift in Unna für Aufregung sorgt.

 

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