Freitag, 07. Dezember 2018

Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg beschäftigen Städte wie Dortmund bis heute. Dort wird mindestens einmal im Monat eine Weltkriegsbombe gefunden. Unna hat hingegen mit Bombenangriffen großes Glück gehabt.

Wie knapp Unna im April 1945 einer Zerstörung entging, ist heutzutage nur noch wenigen Menschen bekannt. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs blieb der Innenstadtbereich von Unna bis auf ein paar Ausnahmen weitestgehend verschont. Am 10. April 1945 nahmen amerikanische Verbände die Stadt Unna von Osten (Kessebüren) kommend aus ein – weitestgehend kampflos. Dabei hätte es auch anders kommen können.

Unna ergab sich (fast) kampflos

„In Unna hatte sich zum Schluss noch ein Scharfmacher als Kommandant der Widerstandstruppen herumgetrieben, der die Stadt unbedingt verteidigen wollte. Unna sollte eines der letzten Widerstandsnester werden“, sagt Peter Sauerland von der Hansetourist. „In den Apriltagen wurde der Bereich Wasserstraße mit Artillerie beschossen und im Angesicht der amerikanischen und britischen Übermacht brach die Verteidigung rasch zusammen“ sagt Sauerland. Unna ergab sich. Das Ende des Zweiten Weltkrieges wurde für die Menschen greifbar.

Im Gegensatz zu anderen Städten überstanden zahlreiche alte Gebäude den 2. Weltkrieg in Unna. Foto: Dennis Liedschulte/Unna24

Im Nachhinein ist es nicht falsch zu sagen, dass die Stadt Unna Glück hatte. Während in Dortmund heutzutage fast jede Woche Straßen oder gar ganze Viertel aufgrund von Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg geräumt werden müssen, fielen auf Unna relativ wenig Bomben. „Natürlich hatten wir auch den einen oder anderen Bombenangriff und dementsprechend den einen oder anderen Blindgänger. Aber im Vergleich zu den größeren Städten im Ruhrgebiet oder auch im Vergleich zu Kamen und Bergkamen ist in Unna weniger passiert“, sagt Stadtsprecher Oliver Böer.

Blindgänger auf dem Stadtgebiet

Im Juli 2011 hielt eine der größten Aktionen in Unna einen ganzen Stadtteil in Atem. Am 25. Juli 2011 entschärfte der Kampfmittelräumdienst der Bezirksregierung in Arnsberg eine Fünf-Zentner-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Insgesamt mussten Ordnungskräfte knapp 1.000 Menschen während der Arbeiten evakuieren. Der Umkreis von 300 Metern um die Fundstelle wurde geräumt. Die Bombe lag im Garten eines Wohnhauses am Peuckinger Weg, in der Nähe der Peter-Weiss-Gesamtschule und des Pestalozzi-Gymnasiums.

Eine britische Fünf-Zentner-Bombe. Foto: David Young/dpa

Peter Sauerland weist darauf hin, dass Unna eher ein sekundäres Ziel der alliierten Bombergeschwader war. Vieles hat sich auf Dortmund (Kohle und Stahl) konzentriert. Aber auch Kamen (Kohle) und Bergkamen (Chemie und Kohle) gerieten ins Ziel der Bomber. „In Unna waren vor allen Dingen die industriellen Gebiete nördlich der Bahnlinie (Königsborn) für die Bomber ein lukratives Ziel. Die Kaserne gab es schon damals und auch die Zechen in Königsborn gerieten ins Fadenkreuz“, sagt Sauerland. Es ist aber auch zu vereinzelten Fehlabwürfen gekommen, bei denen Unna unplanmäßig getroffen wurde.

Unna war eher Sekundärziel

„Das Vorhandensein von Blindgängern ist in den ländlicheren Gebieten von Unna eher unwahrscheinlich. Aufgrund von Fehlabwürfen und vereinzelten Bombenangriffen kann es aber nördlich der Innenstadt und im Innenstadtbereich zu Funden kommen“, sagt Benajamin Hahn, Mitarbeiter der Pressestelle der Bezirksregierung in Arnsberg.

Heute steht hier die Glückauf-Kaserne. Früher war dort das Heereszeugamt, das gleichzeitig ein Ziel der alliierten Bomber war. Foto: wikiemedia /C BY-SA 2.0 de/smial

Kam es in Unna denn auch zu Zerstörungen innerhalb der Innenstadt? In Dortmund, nur einige Kilometer weiter westlich gelegen, stand nach dem Zweiten Weltkrieg bekanntlich kein Stein auf dem anderen. Gerüchten zu Folge sollen die Briten sogar überlegt haben, die Stadt woanders wieder neu aufzubauen. Und Unna? „Es gab kein Flächenbombardement. Aus diesem Grund hielten sich die Zerstörungen in Unna im Vergleich zu Dortmund natürlich in Grenzen“, sagt Sauerland.

Im Bereich der Schäferstraße (Nähe Volksbank) zerstörten Bomben einige Gebäude. Eine weitere Bombe krachte in das „Schokoladenhaus“ am Markt (heute Hussel). Die Bombe zündete aber nicht und landete im Keller, wo Spezialisten sie dann entschärften.

Luftunterstützung hätte die komplette Stadt zerstört

„Beim besagten Artilleriebeschuss im April 1945 gab es dann auch noch Zerstörungen und es hätte weit schlimmer kommen können“, sagt Sauerland. Die Amerikaner machten in der Endphase des Zweiten Weltkrieges mit Widerstandsnestern kurzen Prozess. „Luftunterstützung“, so Sauerland, „Die Amerikaner hätten bei zu starkem Widerstand Unna mit Luftunterstützung dem Erdboden gleich gemacht.“

Dazu kam es nicht. Am 11. April 1945 besetzten Alliierte Truppen kampflos die Stadt Unna. Der fanatische Befehlshaber und Unterstützer des letzten Widerstandes war einer der ersten, der floh. Andere Soldaten ergaben sich kampflos. Der Albtraum „Zweiter Weltkrieg“ dauert in Europa noch einen Monat an.

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